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Jetzt heißt es Zeit Abschied zu nehmen. Viel zu schnell sind die letzten Tage, Stunden und Minuten vorbeigegangen. Nach meiner Abschiedsreise durch den Norden habe ich gestern fast allen meinen Freunden und Bekannten Tschüss gesagt. Die meisten werde ich wohl so schnell nicht wieder sehen, aber man trifft sich ja immer zweimal im Leben. Die letzten Caipis bzw. Caipi Frutas im Agua Doce haben gestern abend Gott sei Dank keine Spuren hinterlassen. Um sechs Uhr morgens klingelt der Wecker. Das Zimmer ist aufgeräumt, die Bettwäsche abgezogen, ich habe das letzte Mal geduscht. Axel, Geici und Yasmin schlafen noch, wir haben uns gestern schon verabschiedet. Ein letzter Blick in die Wohnung, dann fällt die Tür ins Schloss. Hätte ich jetzt etwas vergessen, müsste ich wohl noch mal klingeln, die anderen aus dem Bett holen, denn meinen Haustürschlüssel habe ich nicht mehr.
Stefan aus der WG101 hat noch einen Kaffee gemacht, der letzte Kaffee im Haus. Beinahe verquatschen wir uns noch, weil wir uns ausführlich über das leckere Abschiedschurrasco im KF unterhalten, mit Abstand der beste Laden für Gegrilltes im Curitiba. Mein Taxi fährt vor, mein gesamtes Gepäck rein und Abfahrt Richtung Flughafen.
In Gedanken an die schöne Zeit versunken, fahren wir durch die Stadt, das letzte Mal die Avenida Silva Jardim runter, am Busbahnhof vorbei auf die Schnellstrasse Richtung Florianópolis, vorbei an den Favelas und dann die Abbiegung zum Flughafen. Mein Taxista meint dann doch so schön, na ja ob wir wohl starten werden? Der Flughafen sei nämlich fechado, was soviel für geschlossen heißt. Es ist wahnsinnig nublado(nebelig), aber das hält doch jetzt nicht die Flugzeuge ab zu starten, oder?
Am Flughafen, ich bin eigentlich viel zu spät, stelle ich mich brav in die Schlage von Gol an. Ich mache mir Sorgen wegen des Gepäcks, ich habe eindeutig zuviel dabei. Tja, das kommt davon wenn man ständig neue Klamotten kauft und so viele Sachen mitnehmen will. Die werden jawohl hoffentlich nix sagen. Dann bin ich an der Reihe, am Counter riecht es nach Erbrochenem. Toll, da konnte ein kleines Kind sich wohl nicht mehr beherrschen.
Ich reiche meinen Pass und der Mann vom Bodenpersonal meint nach mehreren Eingaben zu mir, ?ich erklär Dir jetzt mal, wie Du fliegst?. Ich lehne dankend ab, bin ja nicht zum ersten Mal geflogen. Ich weiß, was eine Boardingkarte ist, ich weiß wo die Ausgänge sind, etc. Nee, meint er, das wäre nicht das Problem. Aber er würde mir gerne erklären, warum ich jetzt nach Sao Paulo Congonhas fliege und nicht mit Gol1796 nach SP-Guarulhos. Ahhh, das ist interessant. Ich habe absichtlich einen teureren Flug nach Guarulhos gebucht, weil ich von dort heute Abend nach Zürich fliegen möchte und ein Transfer von einem zum anderen Flughafen in São Paulo mir zu stressig ist.
Irgendwann finde ich dann auch raus, wie so ich umgebucht wurde. Der Flughafen in Curitiba ist komplett geschlossen worden, nix geht mehr. Es ist wirklich so neblig draußen, dass man vielleicht nur 20 Meter weit schauen kann. Mein Flug um 8.40 Uhr wurde komplett gecancelt. Keine Chance hier weg zu kommen. Ich bin begeistert, bleibe aber ruhig, ich habe schließlich ein Zeitpolster von 8 Stunden. Ich verbringe die Zeit in der kalten Wartehalle nutze kurz das Gratis-Internet-Surfen Angebot bis leider die Leitung den Geist aufgibt. Das Infomanagement ist leider katastrophal. Zwar steht auf allen Anzeigen, dass die Flüge Cancelado oder Atraso Meteoro (Verspätung wegen des Wetters) sind, aber es gibt keine Durchsagen, wann es denn weitergehen soll?
Endlich weit nach zwölf Uhr wird dann mal mein neuer Flug aufgerufen. Endlich. Das Wetter hat sich geändert, es ist nahezu traumhaft, nur blauer Himmel, Sonne pur. Herrlich. Es dauert noch eine Weile bis wir dann endlich abfliegen können und 50 Minuten später sind wir schon in Congonhas. Viele wurden wohl wie ich umgebucht und teilen mein Leid. Wir müssen durch den ganzen Flughafen laufen, bis wir endlich bei den Transferbussen Richtung Guarulhos sind. Eine weitere Stunde fahren wir durch São Paulo, wie nett, dafür ist gleich noch ne Stadtrundfahrt inklusive.
Endlich dann am anderen Flughafen, mein Swiss-Schalter ist noch nicht offen, aber ich erfahre man kann sich für 400 US-Dollar upgraden lassen. Schon cool, aber ich spar mal meine Taler. Dann treffe ich Carolin wieder. Wir hatten uns in Belem getroffen und da sie mit Lufthansa heute nach Frankfurt fliegt hatten wir uns hier verabredet. So, gehen die restlichen Stunden bis zum Weiterflug auch äußerst zügig voran.
Dann noch Dutyfree, ich ärgere mich, dass man nur mit Kreditkarte (die leider aus Versehen von meiner Bank gesperrt wurde), US-Dollar (die ich nicht habe) oder Euros(hab keine kleinen heilen Scheine) bezahlen kann. EC-Karte etc. geht leider nicht. Naja und Euros habe ich nur 20,- viel zuviel für eine Stange Zigaretten für 13 US$. Schließlich gebe ich mich geschlagen und kaufe noch ein paar Schokobonbons hinzu?
Das Flugzeug ist bis auf den letzten Platz gefüllt, ich krieg noch nicht mal einen Fensterplatz, dafür hab ich einen netten Sitznachbar, Brasilianer, der ein Praktikum in der Schweiz machen wird und furchtbar aufgeregt ist, so dass er die ganze Nacht nicht schlafen kann. Ich bin nach dem leckeren Essen, dem Bier, Cabernet Sauvignon und dem Abschluss-Baileys und dem einen oder anderen Film so müde, dass ich fast den ganzen Flug verschlafe. Gott sei Dank weckt mich mein Sitznachbar rechtzeitig fürs Frühstück.
Pünktliche Landung in Zürich, die sofortige Passkontrolle beim Ausstieg kann ich ganz entspannt mit Hochhalten meines rosaroten Reisepasses umgehen und begebe mich zum nächsten Gate. Man merkt gleich nach der Ankunft die enormen Unterschiede zwischen der Schweiz und Brasilien. Alles ist furchtbar sauber, organisiert und vor allem teuer. Ein Cappucino mit Crossaint kostet ganze 13 Franken. Naja, ich esse im Flugzeug. Vor allem find ich nett, dass die Schweizer eine Durchsage machen, wenn sich das Boarding um nur 5 Minuten verzögern könnte. Effektiv waren es dann nur vier, aber das hat gereicht, dass die Besatzung sich bei jedem beim Einstieg ins Flugzeug entschuldigt hat. Danke.
Dann geht?s wieder in Luft, Flug nach Hamburg, über dem Bodensee mit Blick auf Konstanz geht es Richtung Norden. Wie schön, dass an Bord so viele Brasilianer sind. Es ist so nett mit Ihnen über mehrere Sitzreihen hinweg zu plauschen. So vergeht die Zeit wie im Fluge.
Landung in Hamburg, mir wurde nicht zuviel versprochen. Es ist sehr warm, die Sonne brennt. Noch mal durch die Kontrollen. Dann der letzte Schritt, Gepäck entgegennehmen und durch den Zoll, hab ja nur ne halbe Flasche zuviel dabei, aber es passiert schon nichts. Draußen dann ein voll netter Empfang. Meine Mum sowie Malte und Melanie stehen mit gelbblaugrünen Luftballons bereit. Wie schön. Es gibt sogar gleich Geschenke, wäre doch nicht nötig, der Empfang war doch das größte Geschenk.
Kleine Panne am Rande. Ich wurde zwischenzeitlich ausgerufen. Ich hatte meinen brasilianischen Pass bei der Passkontrolle verloren. Die Durchsage hatte ich gar nicht gehört, Malte allerdings war hellhörig und so konnte ich den Pass noch rechtzeitig abholen.
Das Einleben wird mir so schön wie möglich gemacht, erst kleine Kaffeerunde mit Malte und Melanie und abends leckeres Grillen im Garten von meiner Schwester und meinem Schwager. Nach der schönen Zeit in Brasilien, ein herzlicher Empfang in Deutschland, das lässt die Wehmut schnell verfliegen, trotzdem gilt: Eu estou com saudades do Brasil
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