 | Die Leiden eines jungen Werderfans in Brasilien, der nur ein Spiel seiner Mannschaft sehen oder zumindest hören möchte. Ein Livebericht vom Spiel Werder - Valencia. |
Heute, 7. Dezember 2004, wichtiger Tag für alle Werder-Fans, es geht um den Einzug in das Achtelfinales der Champions-League. Heute muß gegen Valencia, den Vorjahres-Uefa-Cup-Gewinner und spanischen Meister, ein Sieg oder mindestens ein Unentschieden her. Auch eine Niederlage mit einem Tor Unterschied wäre in Ordnung, allerdings darf es kein 1-0 Sieg der Spanier sein. Tja, so sind die Regeln Nun gut, das ist die Ausgangslage. Leider war es mir nicht möglich, hier eine Kneipe ausfindig zu machen, die dieses Spiel überträgt und auch bin ich hier leider der einzigste Werderfan. Gut, aber ich habe ja das Uefa-Cup-Paket gebucht und kann das Spiel live über das Internetradio verfolgen und nach Abpfiff sogar das ganze Spiel anschauen. Also mache ich es mir bequem, hol mir ein kühles Skol aus dem Kühlschrank, zur Feier des Tages sogar ein paar Chips und starte den Real-Player. Doch leider was ist das? Die Internetleitung ist zwischenzeitlich zusammengebrochen und ich kann noch nicht mal die Startseite von Google aufrufen. Alle meine Informatikkenntnisse verpuffen im Leeren, ich kriege keinen Connect nach außen hin. Naja, aber ich kenn ja einen Ausweg. Ich packe meinen Laptop zusammen, nehme mir das LAN-Kabel, meine Biere, die Chipstüte und schlappe 7 Stockwerke tiefer in die andere WG der deutschen Studenten. Dort stosse ich gleiche auf Verständnis, wobei hier kaum einer an Fußball interessiert ist. Nun gut, Rechner aufgebaut, hochgefahren und los geht?s. Und es funktioniert. Langsam baut sich die Seite von www.uefa.com auf, zu langsam. Leider. Dann startet der Livestream, 13 Minuten sind schon gespielt, und ich bin mitten im Spiel. Aber leider nur für 90 Sekunden, dann bricht auch diese Leitung zusammen und nix geht mehr. Warum spielt den alles gegen mich? Ich probiere alles, um wieder ins Internet zu kommen, aber erfolglos. Erst in der 30. Minute, funktioniert das Internet wieder. Der Sport1.de-Liveticker meldet sich mit dem Text: ?30. Minute, Ismael klärt. Schönes Anspiel von Aimar auf Mista. Kein Abseits. Mista dreht sich schnell, aber Ismael klärt am Fünfer.? Sehr gut, ich probiere gleich den Livestream von UEFA.com aus, aber ohne Erfolg. Das zweite Bier wird geöffnet und ich hab Zeit hier ein paar Zeilen zu schreiben. Dann endlich funktioniert auch der Stream wieder, ein wenig leise und verzerrt, aber es geht und ich bekomme die letzten Minuten der ersten Halbzeit mit. Ich zittere mit, dass die Internetverbindung hält. Und die Werderaner zittern kräftig mit, Valencia macht ordentlich Druck und Bremen kommt ins Straucheln. Doch Werder kann sich in die Pause retten. Die nutze ich, um ein wenig Biernachschub zu organisieren. In dieser WG allerdings gibt es kein Bier, was man so trinken kann, also schnell hoch in meine WG, doch ich stehe vor verschlossenen Türen, habe den Schlüssel vergessen und meine Mitbewohner sind ausgeflogen. Zurück in der unteren WG schmeissen die grad zur Feier des Tages eine Runde deutsches Rothaus, weil Stefan seine Diplomarbeit fertig geschrieben hat, und ich bin herzlich eingeladen. Wunderbar, der Biernachschub ist gesichert, die zweite Halbzeit beginnt. 46. Minute, Riesenchance für Valencia, neben den Pfosten. Riesenglück für Werder. Weiter zittern, wir schreiben die 62. Minute, für die Spanier ist es ein Spielen gegen die Zeit, für Bremen gegen die Nerven. Meine Blase drückt, aber das muss ich jetzt aushalten? ?62. Minute: Ranieri riskiert alles, dreifach-Wechsel eine halbe Stunde vor dem Ende. Ganz schön mutig.?, meldet der Sport1-Ticker. Das hört sich nicht gut an. Werders Defensive kann aber noch dagegen halten. Aber das Glück hilft mit: ?65. Minute, Klatsch!!! Wieder Dusel für Werder. Di Vaio mit dem ersten Ballkontakt. Volleyschuss aus 25 Metern. Was ein Pfund! Reinke schon geschlagen, die Latte rettet!!!? Wir warten auf den Goldenen Konter, wie der Radioreporter so schön beschreibt. Wer das nächste Tor schießt könnte das Achtelfinale buchen. Es bleibt aber bei einer Zitterpartie. Wenigstens schnappt mittlerweile die Bremer Abseitsfalle mehrmals zu. Oh Gott, das kann einen aber auch verwirren: ?Kein Abseits, kein Abseits, Di Vaio ist frei vorm Tor, Schuss, Ähhh doch Abseits?. Puhhhhhh, knapp. Und so geht?s weiter: 77. Minute, Fehlentscheidung! Vicente findet di Vaio in der Spitze. Nie und nimmer Abseits. Der Schiri-Assistent winkt aber mit dem Fähnlein. Werder strapaziert das Glück zu arg!!!?, Thomas Schaaf wechselt noch mal aus: Nelson Valdez kommt in der 80. Minute für Charisteas. Jaaaaaaaaaaaaaaa, Toorrrrrrrrrrrr, Nelson Valdez macht das Tor, der Joker sticht. Langer Ball von Ismael. Valdez nicht im Abseits, umkurvt Canizares und schiebt mit seinem zweiten Ballkontakt aus zehn Metern ins Tor! Gibt?s denn so was? Die netten Gastgeber freuen sich mit mir, als ich meinen lauten Jubelschrei loslasse und mir die Kopfhörer vom Kopf reiße? Man hört durch das Radio: ?Sowas hat man lange nicht gesehen, so schön, so schön??. Die Bremer Fans vor Ort übernehmen das Feiern? Und dann unglaubliche Szenen, die sich abspielen. ?Angulo mit einem Brutalo-Foul an der Eckfahne gegen Valdez. Für so etwas sollte es 5 Jahre Sperre geben. Einfach nur beschämend, wie sich Valencia jetzt präsentiert.? Überall Rangeleien, die Spanier bespucken die Bremer und es gibt eine Ohrfeige gegen Magnin. Aber Valdez revanchiert sich auf seine Art und macht das zweite Tor aus 15 Metern, Valencia benimmt sich laut Radio schrecklich daneben. Und dann erfolgt der Pfiff. Spielende. Danke für diesen wahrhaft unglaublichen Abend.
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