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Montag, 06 Februar 2012
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Amazonas-Flussfahrt PDF Drucken E-Mail
Samstag, 09 Juli 2005
Das hab ich schon immer mal gewollt, auf dem riesigen Amazonas mit dem Boot langshippern. Heute wird es Wirklichkeit, mit der Globo do Mar steche ich von Manaus aus in See.

Als ich um 12 Uhr in Manaus zum Boot komme, ist es schon richtig voll. Ich habe erste Klasse gebucht, man goennt sich ja sonst nix, kostet ja auch nur knappe 20 Reals mehr. Erstmal bin ich ein wenig orientierungslos, wo kann ich denn hier noch mein Lager aufschlagen, ist doch schon alles voll. Denkste, da passen noch einige Haengematte, Koffer, Gepaeck und Leute zwischen die vielen Lager.

Bin natuerlich erstmal auf der falschen Seite, hier wird streng nach Homens und Mulheres getrennt. Links die Maenner und rechts die Frauen. Ich entscheide mich mal direkt in der Mitte des Bootes mein Lager zu erichten und der nette junge Brasilianer neben mir, verspricht auf mein Gepaeck aufzupassen. Da das Schiff erst um 16 Uhr ablegt, bleibt noch Zeit, ein wenig durch die Stadt zu troedeln und einen Happen zu essen.

Als ich um drei Uhr zurueckkomme, haben in der Zwischenzeit noch viel mehr Leute ihr Lager bezogen. Nicht nur das, die Laderaueme quillen ueber, Saecke, Getraenke, Kuehlschraenke, Fernseher, Radios, Matratzen, einfach alles wird auf dem Schiff transportiert, es fehlen eigentlich nur noch lebendige Tiere. 

Meine Haengematte ist mittlerweile komplett eingekreist von anderen. Ich trau mich gar nicht, mein Lager aufzusuchen, als das Schiff puenktlich ablegt, also erkundige ich erstmal das Schiff. Insgesamt hat unser Dampfer drei Decks, unten befindet sich die zweite Klasse, die deshalb billiger ist, weil es dort wegen des Motors lauter ist und weniger Wind hat. Oben gibts noch ein Sonnendeck und eine kleine Bar, dort mache ich es mir gemueltich und blicke zurueck, wie Manaus am Horizont verschwindet.

Wir sind schon 15 Minuten unterwegs, als sich ein Schnellboot naehert und Kurs auf unser Boot nimmt. Jemand hat wohl das Boot verpasst, deshalb ein Taxi Maritima bestellt und bei gleichbleibender Fahrt, legt das Taxi an, Gepaeck und Passagier gehen an Bord und das Taxi legt wieder ab, sehr cool erledigt, hat alles ein wenig James Bond Manier.

Oben auf dem Sonnendeck knallt die Sonne, trotz des Fahrtwindes ist es prallewarm. Waehrend ich mir mit einem kuehlen Skol ein wenig Abkuehlung verschaffe, legt das Zollboot an und die Beamten kommen an Bord und zaehlen alle Passagiere, anscheinend um herauszufinden, ob das Boot nicht ueberladen ist.

Nachdem Manaus verschwunden ist, sieht man links und rechts nur sehr viel Wasser und viele hohe Baueme, die am Ufer stehen. Nachdem die Sonne untergegangen ist, will ich mal einen Blick auf mein Lager werfen. Siehe da es wird gerade Abendessen serviert, hatte man mir doch beim Kauf des Tickets gesagt, es wuerde nur Fruehstueck geben. Ergo hatte ich mich mit Essen und Getraenken ausgestattet, brauchte ich also gar nicht. Die servierte Nudelsuppe ist zwar gut fuer den Hunger, geschmacklich aber nicht der Hammer. Da ich noch ein leckeres Sandwichbaguette auf Halde hab, ist das aber auch nicht so tragisch.

Man fuehlt sich richtig wohl auf dem Flussdampfer. Es geht familaer zu, waehrend des Essens hab ich das Gefuehl am Tisch einer riesigen Grossfamilie zu sitzen. Man gehoert einfach dazu, nett! Gut, dass ich mir im uebrigen keinen Platz an der Reling gesucht habe. Auf der Maennerseite sind Tische und Baenke aufgebaut worden und die Haengematten zur Seite gerauemt worden. Man muss sich also ein anderes Plaetzchen suchen, wenn die anderen essen und das waehrend der ganzen Fahrt viermal!

Ich bin uebrigens der einzige Deutsche, der einzige Europaer, wahrscheinlich sogar der einzige Tourist. Ich finds klasse, aber so was bleibt ja leider nie unbemerkt. Joseph, Anfang 70, Brasilianer, Taxifahrer, posaunt das natuerlich gleich ueberall herum. Bald weiss das ganze Boot, dass der Alemão an Bord ist. Dabei hatte alles so nett angefangen, wir sassen vorne beim Captain, schauten in die dunkle Nacht, blickten in den Sternenhimmel und er erzaehlte mir von seiner Dorf Parintins und seinem Leben. Wollte mich am liebsten gleich mitnehmen, mir seine Familie, sein Dorf, alles zeigen, vor allem weil doch grad Festa bei ihm zuhause im Dorf ist. Ich krieg aber spaeter raus, Festa war grad 28.-30. Juli, jetzt ist da tote Hose... Ausserdem bringt es meinen ohnehin knappen Reiseplan durcheinander.

Mit vielen anderen quatsche ich, bis ich dann irgendwann echt cansado (kaputt und muede) bin und mich auf meine Rede (Haengematte) freue. Ich kaempfe mich vor, bis zu meiner, und ich muss sagen es ist schon eng, aber gemuetlich. Links von mir liegt der Missionar, Anfang 20 und rechts ebenfalls Anfang 20, eine nette Brasilianerin (hab leider von beiden den Namen vergessen). Die Haengematten schwingen sanft im Wind, wenn sich irgendwo jemand dreht, schwanken alle Matten, aber das ist eigentlich nicht dramatisch. Der Fahrtwind streichelt einem leicht durchs Gesicht und das leise Droehnen des Motors laesst mich schnell einschlafen.

Morgens um halb fuenf faengt es an zu regnen, ich krieg eigentlich fast nichts davon mit, nur dass es merklich kuehler geworden ist und die Besatzung zu den Seite Plastikvorhaenge runtergelassen hat, damit kein Regen durchs Boot pfeift. Um 5.47 Uhr wache ich auf, die ersten Sonnenstrahlen kitzeln in der Nase. Nicht nur fuer mich das Zeichen aufzuwachen, die Besatzung lockt mit Fruehstueck. Das lasse ich aber mal getrost ausfallen, ich bleibe in meiner Haengematte liegen und doese in der Morgensonne.

Um 11 Uhr wird dann schon wieder ein reichhaltiges Mittagessen serviert, hier fehlt es einem an nix, gut es ist alles ein wenig einfach, die Toiletten koennen auf keiner Qualitaetsskala mithalten, man kommt sich auch ein wenig vor wie auf einem Fluechtlingsboot, aber mir gefaellts. Das Sonnendeck haben die Brasilianer inzwischen zur Partyarea umfunbktioniert, es fliesst Bier in Dosen und laute Musik droeht durch die Boxen.

In der Zwischenzeit hat sich die Ufervergetation veraendert, es sind nicht mehr so hohe Baueme und auch nicht mehr so dicht. Ausserdem haben wir zwischenzeitlich zweimal angelegt, jedesmal kamen zahlreiche Haendler an Bord um ihre Waren loszuwerden und vielleicht meine mitzunehmen, aber ich war wachsam, nix anhanden gekommen.

Gegen 17.47 Uhr, exact 12 Stunden nach Sonnenaufgang, verlaesst uns die Sonne wieder. Wie aufs Stichwort wird das Abendessen basierend aus Reis, Nudeln und Fleisch serviert. In der Haengematte chille ich in die Nacht, gegen sieben Uhr dann das hektische Geschrei der Kids, Santarém, Santarém... Wir haben aber noch ein wenig Fahrt vor uns, bis wir den Zielort erreichen und damit auch das Ende meiner Amazonas-Flussfahrt. Ich habs genossen, war zwar nicht zu 100% so wie ich mir das vorgestellt hab, aber trotzdem eine sehr angenehme, bequeme Art des Reisens...

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