 | (02.07.06) In der Theorie kenne ich Brasília eigentlich ziemlich gut, schliesslich wurde der Bau der neuen Hauptstadt von Brasilien umfangreich im Erdkunde LK bei Herrn Giesewetter thematisiert. Grund genug einen Abstecher zu machen und die Fakten zu ueberpruefen... |
Bei der Hauptstadt Paraguays Asunción hatte so ein Zwischenstop von 7 Stunden perfekt gereicht. Heute habe ich 9 Stunden, um die Cidade da Esperaça (Stadt der Hoffnung) kennenzulernen. Hier also beginnt meine Abschiedsreise durch Brasilien. Viel habe ich schon gesehen, nur der Norden und Nordosten fehlte noch auf meiner Liste und selbst wenn ich die Reise hinter mir habe, werd ich immer noch nicht alles von Brasilien gesehen haben, aber zumindest das Wichtigste. Bereits im Jahr 1789 tauchte die Idee auf die Hauptstadt zu verlegen, allerdings noch nicht ins Landesinnere. 1823 kam von José Bonifácio der Vorschlag eine Stadt im Landesinneren namens Brasília zu gruenden. Bereits 1922 wurde der Grundstein fuer das Haupdtadtprojekt auf 1100 m Hoehe gelegt. Aber es gingen einige Jahre ins Land bis 1956 unter dem Praesidenten Juscelino Kubitschek die Idee verwirklcht wurde. Neben ihm sind drei weitere Kuenstler der Zeit an diesem Projekt massgeblich beteiligt gewesen und drueckten der Stadt ihren Stempel auf: Der grosse Architekt Oscar Niemeyer, der Stadtplaner L?cio Costa und der Landschaftsarchitekt Burle Marx. Ueber 30.000 Arbeiter bauten am Projekt, welches bereits nach 1.000 Tagen Bauzeit eingeweiht wurde. Die Stadt wurde komplett neu aus dem Boden gestampft und hat die Form eines Flugzeuges mit zwei leicht hinten gekruemten Fluegeln, vorne und seitlich von einem grossen kuenstlichen See gesauemt. Die Idee war die verschiedenen Funktionen der Stadt zu trennen. So gibt es ein reines Regierungsviertel, Wohnviertel, Botschafterviertel, Arbeitsviertel, einen Hotelsektor, etc. Vom Flughafen mache ich mich auf den Weg ins Zentrum, waehrend ich auf den Bus warte, werd ich angeprochen und mit dem Auto in die Stadt genommen. Auf der Eixo Monumental einer Prachtstrasse mit zweimal je 6 Spuren und einer riesen Flaeche in der Mitte werde ich sozusagen ausgesetzt. Es ist abartig warm, die Luft richtig trocken und ich das Wetter grad nicht gewohnt, in Curitiba ist es momentan um einiges kuehler. Ich fange also an das Regierungsviertel zu besuchen. Als erstes besuche ich die Catedral Metropolitana an, die von Oscar Niemeyer entworfen wurde. Die Architektur ist wirklich ungewoehnlich, das Kirchenschiff ist kreisrund und die Waende sind komplett verglasst. Durch das blaue und gruene Glas stroemt viel Licht in die Kirche und strahlt die vielen Kunstwerken, u.a. drei riesige freischwebende Engelsfiguren an. Mal eine der wenigen modernen Kirchen, die mir richtig gut gefaellt. Weiter fuehrt mich mein Weg auf der Eixo Monumental entlang der Emplanada dos Ministérios, der regelmaessigen Anordnung von 17 identischen Regierungsgebaueden. Hier ist also alles direkt versammelt. Kurze Wege zum Regieren, in der Praxis scheint das aber nicht wirklich zu funktionieren. Am Ende der Ministerien steht der Congresso Nacional, welcher durch die konvexen und konkaven Linie besticht. Architekt Niemeyer hat hier sein Meisterwerk geschaffen und sein architektonisches Konzept umgesetzt. Es sieht ein wenig aus wie eine fliegende Untertasse und man koennte teilweise wirklich meinen, man ist auf einem anderen Planeten. Ich nutze die Zeit und besichtige den Kongress, hier unter der konkaven und konvezen Kumpel befindet sich die Sitzungssaele des Senats und des Parlaments. Was in Deutschland und den USA wohl undenkbar ist, man kann ohne Ausweis und ohne Gepaeckkontrolle sich alle Sitzungssaele, etc. anschauen. Im Inneren des Kongresses fuehlt man sich auch wie im Raumschiff Enterprise. Die Gaenge und Saele sind wirklich sehr futuristisch. Ich verlasse den Kongress Richtung Praça dos Três Poderes, hier am Platz der drei Gewalten treffen sich neben der Legislative auch die Executivgewalt (Pálacio do Planalto) und die Judikative mit dem Bundesgericht (Supremo Tribunal Federal). Auf dem Platz erinnern Bronzefiguren an die toten Krieger. Ausserdem erinnert das Panteão da Pátria Neves Tod des Ex-Praesidenten Tancredo Neves, der vor Amsantritt verstarb. Nachdem ich alles besichtigt habe, mache ich noch einen Abstecher zum Palácio da Alvorada, der Privatresidenz des Praesidenten, die direkt am kuenstlichen See Lago do Paranoá liegt. Dort kurzes Plaueschen bzw. kleinen Schnack mit den Brasilianer bei einer Cola und zurueck gehts im VW Bully mit sage und schreibe 17 Leuten. Erinnert ein wenig an Wetten Dass... Immer wenn ich dachte, na da passt keiner mehr rein, haben wir irgendwo noch ein Plaetzchen gefunden. Fuer 1,20 R$ auch unschlagbar guenstig. Vom Busbahnhof mache ich mich auf den Weg zum 500m entfernten Fernsehturm, um einen Ueberblick ueber die Stadt zu bekommen und den Sonnenuntergang anzuschauen. Zwar ist hier mega was los und die Schlange nicht gerade kurz, aber die Warterei lohnt sich. Ich komme gerade rechtzeitig, um die letzten Sonnenstrahlen ueber der Stadt zu sehen und den Sonnenuntergang zu erleben. Von hier oben kann man die Aufteilung des Flugzeuges gut nachvollziehen und bekommt einen Eindruck ueber die ganze Stadt. Fuer manche mag die Stadt langweilig und uninteressant sein, ich denke, es ist eine Meisterleistung die Stadt komplett neu aufzuebauen. Bei dem noch riesigen vorhandenen Platzangebot kann sich die Stadt noch entwickeln. Mit dem letzten Aufzug fahre ich nach unten und mache ich auf den Rueckweg zum Rodoviaria. Dort ist die Hoelle los, heute ist Neumond und daher ist ein Markt aufgebaut, wo alles moegliche verkauft wird. Ich esse eine Kleinigkeit und nehme dann den 102er zurueck zum Flughafen und von dort mein Flugzeug nach Manaus. Drei Stunden wird die Reise ca. dauern, dann bin ich Amazonasgebiet... |