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Sonntag, 05 September 2010
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Ilha do Marajó PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 12 Juli 2005
Die grösste Flussinsel der Welt, die Ilha do Marajó, auch häufig als die Urwaldinsel bezeichnet, liegt zwar gar nicht auf meiner Reiseroute, aber der Reiz, den diese Insel ausstrahlt, lässt mich meine Pläne ändern. Vor allem, da Gilberto Gil dorthin ja flüchten wollte, ohne lange zu warten:
Vamos fugir, Deste lugar, baby, Vamos fugir, T? cansado de esperar...

Die Ilha do Marajó liegt in der Amazonasmündung und ist mit fast 50.000 Quadratkilometern Fläche grösser als die Schweiz. Die ganze Bucht der Marajó hat eine Ausdehnung von über 200 km. Insgesamt leben 150.000 Menschen, 500.000 Rinder und ca. 300.000 Büffel auf den weiträumigen Fazendas.

Ich habe in Belém morgens um 6.30 Uhr das Boot genommen und bin nach 3,5 Stunden Fahrt in Foz do Rio Camará angekommen. Gott sei Dank konnte ich auf der Fahrt ein wenig Schlaf nachholen, gestern abend ist es in der Pousada mal wieder länger geworden. Ich nehme den VW Combi und quetsche mich mit insgesamt 17 Leuten in den Bully, immer wieder ein unglaubliches Erlebnis.

Die Strassen sind auf der Insel teilweise geteert, aber in keinem guten Zustand. Teilweise ist es sinnvoll neben der Strasse zu fahren, da dort die Strassenbeschaffung erheblich besser ist. Da wundert es im übrigen nicht, das wir auf der Hälfte der Strecke einen Platten haben. Unser Motorista sieht das aber ganz entspannt und wechselt den  Reifen, ohne das die Leute aussteigen müssen.

Ich entscheide mich die Pousada Ventania in Joánes aufzusuchen, schliesslich ist sie im Lonely Planet hervorgehoben. Ich werde nicht entäuscht, alles vom allerfeinsten. Total schön gelegen, direkt am Strand und alles gepflegt und liebevoll hergerichtet. Oliva aus Belgien ist die Besitzerin und stets bemüht, den Aufenthalt so schön wie möglich zu machen.

Sie organsiert mir ein Mototaxi mit dem ich mich auf den Weg zu einer der zahlreichen Fazendas mache. Satte 40 Min. sind wir unterwegs, dann muss ich noch einen Fluss bei Soure mit einem der Rapidhinhos überqueren und werde auf der anderen Uferseite vom Fazendabesitzer persönlich abgeholt. Man hat das Gefühl das hier die Zeit stehen geblieben ist, die Ursprünglichkeit überwiegt. 

Auf der wunderschön gelegenen Fazenda São Jer?nimo macht sich die Donna de Casa erstmal sorgen, da ich noch nicht zu Mittag gegessen habe. Ich bin der einzige Gast, da legt sie sich ordentlich ins Zeug. Es gibt File de Buffalo mit Büffelkäse überbacken. Dazu Reis, reichlich Salat und Farofa. Herrlich. Nach einem Kaffee könnte ich eigentlich in einer der Hängematten relaxen, aber wir wollen ja noch einen Passeio (Ausflug) machen.

Zwischenzeitlich ist Alex hinzugestossen und zusammen mit dem über 70jährigen Fazendabesitzer, hat mit seiner Brille erstaunliche Ähnlichkeit mit Steve Urcle.Wir machen uns auf zur Exkursion. Die Insel besteht aus vielen Geländearten, Regenwald, Savanne, Grasflächen, Flussstränden und Seen aller Grössen, sowie Bächen und Sumpfgebieten. Zu Fuss erkunden wir einsame Pfade, treffen auf zahlreiche Affen und den rosaroten Löffler (Guará), eine Flamingo-Art, deren fliegende Schwärme ein unbeschreiblich entzückendes Bild abgeben. Eigentlich soll es hier auch zahlreiche Boa Constrictors geben, allerdings haben die sich so gut versteckt, dass wir keine finden können.

Dafür aber auf zahlreiche Büffel, die teilweise bis zum Kopf ein Schlammbad nehmen, ein herrliches Bild. Die Marajó-Büffel sollen der Legende nach von einem Schiff, das vor der Küste, mit einer Büffelladung aus Indien für Französisch Guyana, sank, herübergeschwommen sein. Auf der Insel trifft man sie überall an: schwimmend im Wasser, grasend am Strassenrand oder als Arbeitstier vor dem Karren gespannt. Besonders interessant ist, dass sie dank ihrer breiten Hufe gut schwimmen können und während der Überschwemmungszeit tauchen sie sogar ab, um unter Wasser grasen zu können.

Wir nehmen auf unser Wanderung zwischenzeitlich ein kleines Boot und lassen uns auf dem kleinen, kurvengeschwungenen Fluss Richtung Meer treiben. Dort lassen wir das Boot stehen und wandern am Strand entlang immer den vor uns davoneilenden Büffeln hinterher. Nach einer Weile schlagen wir einen schmalen Pfad in die Mangrovenwälder ein, in ca. 40 cm Höhe wurde ein Baumstammpfad durch den Schlamm der Mangrovenwälder angelegt. Sehr idylisch, aber auch schweinewarm.

Zurück am Haupthaus der Fazenda, geniessen wir eine kalte ?gua de Coco bevor wir uns zu Pferde auf den Weg Richtung Strand machen. Ich hab mir extra ein schnelles rausgesucht, damit wir ordentlich über den Strand galoppieren können. Die Wahl ist perfekt. Der untergehenden Sonne entgegen, jagen wir über den Sand durch kleine Priele hindurch den leichten Wellen entgegen. Traumhaft und nicht in Worten zu beschreiben. Es fehlt eigentlich nur noch Rantanplan von Lucky Luke...

Zurück in der Pousada unterhalte ich mich eine Weile mit den vielen Brasilianer, u.a. mit zwei älteren Mädels aus Curitiba und gehe später mit Julia und Iwan (deutsch-brasilianische Pärchen) für schlappe 6R$ Fisch und Fleisch essen incl. aller Getränke(und wir hatten einige Biere).

Der nächste Morgen beginnt früh, gestern hab ich mit der Frau eines der örtlichen Fischer abgemacht, dass ich morgens mit zum Fischen raus fahre. Direkt am Strand stehe ich mit den beiden Cousions vom Seebären Velho (ist gar nicht so alt, wie der Spitzname vermuten lässt) in See. Wir setzen die Segel des kleinen Bootes und paddeln hinaus auf die See. Eine Stunde sind wir inzwischen unterwegs bis wir zu den ausgelegten Netzen gelangen. Eine Schweinearbeit die Netze an Land zu ziehen, vor allem bei der enormen Hitze, die morgens ab acht Uhr schon herrscht. Die Jungs sind aber ein eingespieltes Team. Insgesamt ziehen wir drei ca. 70-80 cm grosse, ca. 7-8 kg schwere Fische namens Bagre aus dem Wasser. Hier oben im Norden von Brasilien haben sie aber nur einen geringen Wert, man bekommt nur 1,50 R$ für ein Kilo.

Interessant ist übrigens dass das Wasser je nach Jahreszeit süss oder salzig ist, das hängt besonders von den Niederschlägen ab und wieweit das süsse Wasser des Amazonas das Salzwasser des Atlantiks aus der Bucht drängt. Dementsprechend ändert sich auch die Flora und Fauna.

VAMOS FUGIR von Gilberto Gil
Vamos fugir
Deste lugar, baby
Vamos fugir
T? cansado de esperar
Que você me carregue
Vamos fugir
Proutro lugar, baby
Vamos fugir
Pronde quer que você vá
Que você me carregue
Pois diga que irá
Irajá, Irajá
Pronde eu só veja você
Você veja a mim só
Marajó, Marajó
Qualquer outro lugar comum
Outro lugar qualquer
Guaporé, Guaporé
Qualquer outro lugar ao sol
Outro lugar ao sul
Céu azul, céu azul
Onde haja só meu corpo nu
Junto ao seu corpo nu
Vamos fugir
Proutro lugar, baby
Vamos fugir
Pronde haja um tobogã
Onde a gente escorregue
Todo dia de manhã
Flores que a gente regue
Uma banda de maçã
Outra banda de reggae

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