 | Bonito é bonito. Ob ein Ort der ?hübsch? heißt, seinen Namen gerecht wird, das probieren Stefan und ich herauszufinden. Nachdem Pantanal hat es uns nach Bonito verschlagen? |
Knappe 300 km von Campo Grande entfernt liegt das bis vor wenigen Jahren fast unbekanntes Nest Bonito. Seit 1991 in Rio de Janeiro die Welt-Ökokonferenz stattfand und der Turismo Ecológico (Öko-Tourismus) bekannt wurde, ist auch Bonito in aller Munde. Die kristallklaren Flüsse, die Hunderte von Wasserfällen, die umfangreiche Fischvegetation und die sich im Kalstein im Lauf der Jahrtausende geformten Höhlen sind berühmt für die Umgebung von Bonito. Alle Attraktionen(insgesamt über 40) liegen auf den sog. Fazendas (Farmen) von den jeweiligen Besitzern. Ausflüge kann man auch nur organisiert machen, also mit Führer, auf eigene Faust klappt es leider nie. Gestern nacht sind wir angekommen, kaum geschlafen, stehen wir um 6.45 Uhr wieder. Nach dem Pantanal kann man das schon fast auschlafen nennen. Wir haben uns für die Grotte mit der blauen Lagune angemeldet. Es soll so um 8 Uhr losgehen, jaja die Brassis. Wir sitzen drei Stunden am Frühstück mit Holländern, nem Argentinier und nem Slowaken bevor es um 10 Uhr los geht. Mario ist unser Tourguide, eigentlich ein witziger Typ mit dem ich viel portugiesisch schwätze, nur schade, daß er der Meinung ist, man müßte alle faulen Landsleute abknallen. Krasse Meinung. Mit bei unser kleinen Gruppe ist Sindoval aus Sa? Paulo, super netter witziger Typ. Die Gruta do Lago Azul liegt auf dem Gelände der Fazenda Jaraguá, ca. 20 km vor Bonito. Entdeckt wurde die Höhle 1924 von den Terena-Indianern und wurde im Jahre 1978 von der Regierung unter historischen Denkmalschutz gestellt. Während der Expeditionen wurden hier nur zwei Lebensformen entdeckt: einen blinden Krebs und einen in Höhlen häufigen Wurm. Der Abstieg umfasst ca. 100 Metern, allerdings erstaunlicherweise ohne Geländer, für die Absicherung muß man die Hände benutzen. Man erreicht schließlich einen See mit tiefblauem Wasser, dessen Tiefe auf 90 Meter geschätzt wird. Eine hübsche Sammlung von Estalagtiten und Estalagmiten, sowie anderen dekorativen Gebilden, ergänzt den bewegenden Eindruck. Den Nachmittag verbringen wir völlig endspannend auf den Liegen oder Hängematten am Pool der Jugendherberge. Muß auch mal sein. Die Abendgestaltung sieht so aus, daß wir zusammen mit Sindovan und dem Argentinier Mario in die City von Bonito gehen, um dort Jacaré (Kaiman) zu sehen. Eigentlich ja verboten, aber in der Nähe gibt es eine Kaiman-Farm und deshalb kann man diese seltene Kulinarität hier mal ausprobieren. Wir wurden ja von den Franzosen gewarnt, aber man muß es ja selber testen. Ich fand das Fleisch, was zwischen Hühnchen und Fisch schmeckt, eher knorpelig und nicht so spannend lecker. Thema abgehackt, I did it once in my lifetime. Am nächsten Morgen, ausnahmsweise mal um 8 Uhr aufstehen, steht Flutuação (Schnorcheln) auf dem Programm. Gegen 9.45 Uhr geht es los. Da sich nur wenige Leute angemeldet haben, nehmen uns die Brasilianer Jane und Gionei in ihrem Jeep mit. Ganze 60 km entfernt befindet sich der Rio da Plata, ganz schönes Stück. Um 11.15 kommen wir an und wen treffen wir? Zuerst Mario, der heute wieder unser Tourguide ist. Dann läuft uns auch noch Dan aus London, den wir im Pantanal getroffen haben über den Weg, er macht mit uns zusammen die Tour. Eigentlich wollte er gar nicht nach Bonito, aber im Pantanal hatten zuviele Leute davon geschwärmt und so ist er kurzerhand doch noch gekommen. Wir ziehen also die Neopren-Anzüge an, stülpen die Taucherbrillen über und nehmen den Schnorchel in den Mund. Los geht die Flutuação. Wir lassen uns treiben auf der Wasseroberfläche, der Neopren-Anzug funktionier als tragende Schwimmweste. Unter Wasser beobachten wir dann die zahlreichen und richtig grossen Fische, wie den Pintado oder den grimmig blickenden Dourado während wir mit der gelinden Strömung treiben. Ganze zwei Stunden dauert das nette Vergnügen. Danach werden wir mit einem leckeren Mittagsbüfett belohnt, bevor es wieder weitergeht. Die anderen drei machen noch einen Spaziergang und schauen sich Papageien an, Stefan und ich haben aber nach dem Pantanal die Nase voll und warten 45 Minuten bevor wir die Heimfahrt antreten. Erst um 19.30 Uhr treffen wir wieder in der Jugendherberge ein, gut geschafft. In der City, im Taboa geniessen wir mit Sindovan und Brigitte noch den einen oder anderen Caipi bevor wir um kurz vor zwei völlig kaputt ins Bett fallen. Der Sonntag soll auch ein Sonntag bleiben. Bonito ist nicht billig, die meisten Ausflüge sind unerschwinglich oder stehen nicht im Verhältnis zum Preis. Wir mieten uns Fahrräder und radeln 12 km bis zum Balneario Municipal. Das Strandbad mit Flußzugang und Fischvegetation ist zahlreich besucht und wir relaxen den ganzen Tag in der Sonne. Montag(19.05.05) dann Abschied von Bonito, ab in den 4,5 h Bus nach Campo Grande, dort Abschied von Sindovan und ich mache einen letzten Versuch mein Flugticket zu tauschen, mit Erfolg. Gegen 18.30 Uhr dann Rückflug über Sa? Paulo nach Curitiba. Während des Fluges komme ich mit Padre Flavio ins nette Gespräch, der grad zum Antrittsbesuch nach Rom fliegt. Da kann ja nix mehr schiefgehen auf den letzten Flugmeilen? |