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Montag, 06 Februar 2012
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Das Abenteuer beginnt PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 13 Oktober 2004
Ein kontinuierliches Schnurren, die ganze Zeit. Ein wenig laut, aber nicht unberuhigend. Ich presse mein Kopf gegen mein Kissen und die rote Fleece Decke mit Schweizer Logo. Es ist kühl, aber die in Plastik verschweisste Decke, die auf meinem Sitz lag, wärmt ein wenig. Ich bin müde, falle in einen tiefen Schlaf und freue mich zur Ruhe zu kommen.

In Gedanken gehe ich noch mal die letzten Tage und Wochen durch. Viel ist passiert seit dem ich begonnen habe mein Vorhaben zu organisieren. Organisation ist meine Stärke, es macht mir Spass, aber es strengt auch an. Vor allem, wenn man sich selbst managen muß. Wie häufig sagt man sich, ach ich mach das morgen? Gut, dass ich ein wenig Zeit hatte.

Endlich habe ich das Gefühl, ich hab alles erledigt, aber auch die Gewissheit, wenn ich was vergessen habe, dann kann ich es ohnehin nicht ändern. Was soll schon passieren? Auf meinem Konto sind ein paar Taler, ich werde in der Heimat nicht polizeilich gesucht und habe einen gültigen Pass und ein Visum für ein Jahr. Ich schlage mich schon durch.

Mir ist kalt, wo ist meine Decke? Da wird mir doch nicht jemand die Decke geklaut haben. Man hört ja viel: arm sollen die Menschen sein, sehr arm. Kriminalität und Gewalt sind weit verbreitet. Aber hier im Flugzeug? Nein, die Decke ist mir nur runtergefallen, ein Blick auf die Uhr, noch 5 Stunden Flug. Zwei Stunden vor der Landung werde ich geweckt. Es gibt Frühstück, Brötchen und Crossaints, Marmelade, Schweizer Käse. Wann werde ich diese Schweizer Spezialität wohl wieder essen? Vielleicht auf meinem Rückflug mit der Swiss. Aber wann wird das sein? Vielleicht ja nie? Momentan würde ich das aber als eher unwahrscheinlich bezeichnen, ich hab ja ein festes Rückflugdatum, aber man weiß ja nicht wie das Schicksal so ist.

Auf dem Stuttgarter Flughafen habe ich zum ersten Mal gemerkt, oh Du wirst lange weg sein. Bewußt war es mir schon, in Gedanken alles ganz klar. Aber von den Gefühlen her konnte ich es nicht begreifen. Abschiede von Familie und Freunden waren teils tränenreich, aber nicht für mich. Erst als mich meine kleine Schwester in den Arm nahm, mir in Tränen alles Liebe und Gute wünschte, ich durch die Gepäckkontrolle ging, erst dann wurde mir alles bewusst und ein paar Tränen reinigten meine Augen.

Landung, Ausstieg nach über 12 Stunden Flug. Herrlich, endlich wieder gehen, Beine vertreten. Es scheint die Sonne, es ist dunstig. Der Smog von Sao Paulo verhängt den blauen Himmel. Und warm ist es, ein großer Unterschied zur Heimat, dort beginnt der Herbst, eigentlich ist er schon voll im Gange. Passkontrolle, ein freundliches Oi, ein Nicken und dann der laute Knall des Einreisestempels. Ich bin da.

Als ich beim Gepäckband ankomme drehen sich mein Koffer und Trekking-Rucksack schon munter im Kreise. Das Warten bei der Passkontrolle dauerte auch lange genug. Dann folgt die Zollkontrolle, ich werde natürlich rausgezogen, das ganze Gepäck wird wieder geröngt. Aber leider nix dabei, was die Herren Beamten stutzig machen könnten.

Auf geht's zum Schalter der TAM, es folgt der Weiterflug. Ich sehe viele Flughäfen an diesem Tag. Erst von Stuttgart nach Zürich in einer kleinen Maschine, dann Zürich nach Sao Paulo und jetzt geht es zum Zielort. Gut, dass Jose mit dabei ist, ein guter Freund vom Studium. Dank seiner Muttersprache kann er perfekt die Übersetzung machen. Hoffentlich kann ich die Sprache bald so gut, dass ich das alleine regeln kann. Während in Stuttgart noch genau jedes Kilogramm notiert und überprüft wurde, hatte offiziell 3 Kilo, eigentlich 5 Kilo zuviel dabei, geht es hier weitaus lockerer zu.

Nun heißt es wieder Warten. In 2 ? Stunden soll erst der Weiterflug erfolgen. Die Zeit wird überbrückt mit einem Frühstück bei McDonalds, wo denn auch sonst?

Nun sitz ich bereits im dritten Flugzeug. Zügig heben wir ab, noch einmal landen, dann bin ich da. Ich bin überrascht, es gibt auf dem Flug sogar was zu essen, kleines Frühstück mit Getränk. Das hat noch nicht mal die Swiss geschafft, auf dem Flug von Stuttgart nach Zürich wurde lediglich eine klitzekleine Tafel Schokolade gereicht.

Zum ersten Mal merke ich, dass man aufgeschmissen sein kann, wenn man kein brasilianisch spricht. Obwohl der Pilot die Passagiere auf Englisch begrüßte, machte er dies bei allen späteren Ansagen nicht. Das kann natürlich auch ganz gut sein, wenn man nicht erfährt, dass es am Zielflughafen so doll regnet, dass der Pilot in Erwägung zieht, dort nicht zu landen... Schließlich entscheidet er sich dann doch dafür. Doch das zu unseren Ungunsten. Das Flugzeug wird beim Durchbruch durch die Wolken heftigst durchgeschüttelt und die Turbulenzen sind grade noch im Ertragbaren.

Trotz des starken Regens, setzen wir sicher auf. Ich bleibe noch angeschnallt bis wir unsere endgültige Parkposition erreicht haben. Man will ja kein Risiko eingehen. Der Gepäckwagen ächzt unter dem schweren Gewicht von Joses Hartschallenkoffer, seinem kleinen Trolley, unseren zwei Laptoptaschen, meinem Koffer und meinem Trekking-Rucksack.

Mit dem Taxi geht's für 45 Real in die Innenstadt. Schon alles ein wenig ungewohnt hier. Vorbei an kaputten Häusern, tausenden Werbeschildern geht es weiter. Es gibt fast nur Einbahnstrassen, ein wenig unsicher, wohin er fahren muß, bewegt der Taxifahrer sein Auto durch die Strassen. Es regnet, es sieht ein wenig trostlos aus. Aber welche Stadt ist schon schön, wenn es regnet? Je näher wir unserem Zielort kommen, um so höher werden die Gebäude, man kommt sich vor wie in Manhattan. Ein Hochhaus neben dem anderen. Dann halten wir an, Nummer 1514. Wir sind da, 25 Stunden war ich unterwegs.

Der Potero öffnet. Wir werden erwartet. Mein Zuhause für die nächsten 8 Monate.

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