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Montag, 06 Februar 2012
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Eisenbahnfahrt von Curitiba nach Paranaguá PDF Drucken E-Mail
Samstag, 30 Oktober 2004
Samstag, 30. Oktober 2004 - acht Uhr morgens. Früh sind wir drei Jungs heute morgen aufgestanden, gar nicht so einfach so früh am Wochenende aus den Federn zu kommen. Jose, Axel und ich haben heute großes vor: Eine der schönsten Eisenbahnstrecken der Welt beginnt direkt in Curitiba.

Also sind wir früh aufgebrochen zum Rodoferroviária, dem Bus- und Eisenbahnhof und in den alten Zug gestiegen, der die über ein Jahrhundert alte Verbindung zwischen Curitiba und dem Hafen Paranaguá fährt. Insgesamt eine Fahrt über 93 Kilometer, die dreieinhalb Stunden dauert und durch zahlreiche Tunnel und über ebenso viele Schluchten der Serra do Mar führt.

Die Strecke der Eisenbahn Curitiba - Morretes - Paranaguá wurde zwischen 1880 und 1885 angelegt und soll die aufregendste Eisenbahnstrecke Brasiliens sein. Zumindest ist sie eine erstaunliche Ingenieurs-Leistung, besonders für die damalige Zeit. Der Zug verlässt Curitiba auf einer Höhe von 900 Metern, um durch 14 in den Fels gegrabene Tunnel und 41 Brücken und Viadukte aus Eisenstahl die steile Serra do Mar hinabzuklettern - 110 Kilometer beträgt die Strecke. Der grösste Brückenbogen befindet sich über dem Rio São João, dessen Länge 113 Meter beträgt. Diese Brücke hat insgesamt vier Bögen, deren mittlerer eine Höhe von 58 Metern erreicht.

Der Viaduto Carvalho, eines der grössten Wunder der Technik dieser Strecke, befindet sich in mehr als 900 Metern Höhe - er besitzt Stützmauern von 10 m Höhe, die in der Luft einen Winkel von 45 Grad beschreiben - bekannt als Curva do Diabo (Teufelskurve). Der Blick nach unten ist unvergleichlich: Bedrohlich heraufgähnende Canyons und tropischer Urwald an den Hängen.

Leider ist die Fahrt in Morretes zu Ende, da die Strecke von hier nach Paranaguá renoviert wird. In der kleinen gemütlichen Kolonialstadt mit 15.273 Einwohnern aus dem Jahr 1721, welche am Ufer des Rio Nhundiaquara liegt, wäre auch sonst der spektakulärste Teil der Eisenbahnfahrt vorbeigewesen. Morretes liegt am Fuss der Serra do Mar, 75 km von Curitiba, und hat gute Zeiten erlebt, als die Mate-Plantagen in seiner Umgebung gute Renditen abwarfen. In den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts erlebte es einen erneuten Aufschwung als Handelsposten zwischen der Küste und dem Hochplateau - dann verlor es diese Bedeutung durch die politische und wirtschaftliche Emanzipation des paranaensischen Hinterlandes.

Wir begeben uns zum Busbahnhof und stellen fest, daß wir noch eine Stunde Zeit haben, das sollte für ein Mittagessen reichen. Strucki testet die lokale Spezialität Barreado, ein deftiges Spezialgericht, das noch aus den Zeiten der Tropeiros stammt. Es handelt sich um einen Eintopf, in dem neben verschiedenen Teilen vom Rind auch Speck, Zwiebeln, Tomaten und diverse Gewürze verarbeitet werden. Die Mischung muss in einem Tontopf (barro = Ton, daher der Name "Barreado") 10 - 12 Stunden langsam köcheln. Serviert wird das Gericht mit "Farinha de Mandioca" (Mandiokamehl), Bananen und Orangenscheiben. Fazit ganz lecker das Ganze ? aber es verlagert den Schwerpunkt weit nach unten und eigentlich müsste im Preis eine Stunde Schlaf in der Hängematte mit enthalten sein.

Dann nehmen wir den Bus nach Paranaguá auf die Ilha do Mel, aber das ist eine andere Geschichte.

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