 | Was braucht man für ein sensationelles Reisewochenende voller Überraschungen: Ein Auto, drei Jungs, ungeteerte Straßen und den Süden. Auf gehts durch die drei Bundesstaaten Parana, Santa Catharina und Rio Grande do Sul. |
Donnerstag Nachmittag (25.11.2004) gegen 17 Uhr Start unseres Trips. Rein in den weißen VW Gol (Gol nicht Golf, das wäre dann ja 2 Klassen besser) und erstmal aus Curitiba raus auf den Freeway Richtung Florianópolis. Gert, unser kleiner Wetterprophet hatte nicht zuviel versprochen: ?Jungs, wir fahren durch eine Regenwand, die bald auch Curitiba erobern wird, aber wir werden diese durchbrechen und Glück mit dem Wetter haben. Im Süden sieht alles anders aus?. Kaum sind wir fünfzehn Minuten unterwegs, prasseln auch schon die ersten Tropfen nieder. Naja, momentan kann es uns ja egal sein, da wir eh im Auto sind und die Strecke ja bereits kannten. Auf der Strecke von Curitiba nach Joinville, ca. 2 Stunden Fahrt, geht?s es von unseren 1000 Höhenmeter über eine kurvenreiche Strecke runter ans Meer. Trotz des Regens und nicht so wirklich guter Sichtverhältnisse, bringt uns Gert schnell und sicher immer weiter gen Süden. In Itajaí machen wir einen kleinen Stopp, da uns der Hunger plagt. Hier herrscht im wahrsten Sinne des Wortes ?Land unter?. Die Strassen sind alle überschwemmt und auch unser Gol schwimmt teilweise mehr, als dass wir uns auf den Strassen befinden. Auch die Restaurants haben anscheinend ihre Pforten geschlossen und nirgends gibt es etwas Adäquates zu essen. Schließlich werden wir fündig bei einem kleinen Fischrestaurant direkt an der Strandpromenade, genießen zusammen eine Fischplatte und natürlich die Aussicht auf den Strand und die Blitze, die das Meer taghell erleuchten. Wir fahren weiter durch die Nacht, erreichen gegen halb eins Araranguá und suchen eine Pousada oder ein kleines Hotel. Aber auch das gestaltet sich ein wenig schwierig. Letztendlich werden wir dann doch fündig und buchen ein Doppel- und ein Einzelzimmer für zusammen 75 Reals. Im Prinzip eigentlich zu teuer, die Zimmer sind in einem nicht so tollen Zustand. Die Luft ist stickig und leicht feucht, die Moskitos plagen Gert die ganze Nacht und die Toilette befindet sich in der Dusche ? alles leicht strange, aber egal, wir wollen nur noch eins - schlafen. Am nächsten Morgen erhalten wir einen Anruf vom Potero, wo wir denn bleiben würden? Das Frühstück würde bereits abgeräumt werden. Der Blick auf die Uhr ? es ist halb zehn ? verwundert uns dann doch. Die haben hier ja komische Zeiten. Nun gut, es bleibt doch noch Zeit sich zu stärken und weiter geht unsere Reise. Vorbei an großen Tannebäumen, die aus 1,5 Liter Spriteflaschen zusammengebaut sind, geht es raus aus dieser nicht so wirklich tollen Stadt. Heute steht erstmal Beachtag auf unserem Programm. Nach ca. einer Stunde erreichen wir die Hafenstadt Torres, die bekannt für ihre Strände und Steilküsten ist. Wir suchen uns ein abgeschiedenes Plätzchen am Strand, sind begeistert, dass wir mit dem Auto bis ans Wasser fahren können und genießen die Sonne. Leider unterschätzt man die Sonne hier dann doch arg. Sie steht hoch im Zenit, der Wind bläst sanft vom Meer und man merkt die intensive Sonneneinstrahlung gar nicht so richtig, zumindest erstmal nicht. Basti, der sich nur halb und dann auch nur mit Faktor 15 eincremte, wird die ganze Nacht etwas davon haben. Gegen Nachmittag als viele Wolken aufziehen verlassen wir unseren Beach. Nach einer kurzen Lagebesprechung wie wir unseren Trip weiterverfolgen wollen, Strucki hatte sich zwischenzeitlich über mögliche Ziele im Lonely Planet informiert, haben wir vor, uns durch das Hinterland Richtung Porto Alegre durchzukämpfen. In unserem kleinen Autoatlas haben wir vier verschiedene Streckenbezeichnungen: Autobahn, Bundesstrasse, rote und schwarze Landstrasse. Wir entscheiden uns mal für die schwarze. Nach wenigen Metern hört auch die Asphaltierung auf und wir fahren nur noch über rote Schottererde mit herausragenden Steinen und tiefen Schlaglöchern. Wir kommen uns vor wie bei einer Tourenrally. Der Beifahrer sagt, wann welche Kurve kommt und in welchen Gang sie zu fahren ist. Gert wird schnell nur noch ?Gas-Gert? genannt, in Anlehnung an Turbo-Rolf, den Mercedes-Testfahrer. Im Gegensatz zu dem, bring Gas-Gert uns gut und sicher über diese Feldwege. Vorbei geht es an kleinen Häusern und Baracken, Feldern mit Vieh und dichten Wald. Die Strasse verläuft neben einem kleinen Fluß, der sich von den Bergen Richtung Meer schlängelt. Bald erreichen wir eine Hängebrücke, die über den Fluß gespannt ist. Wir nutzen die Chance, klettern auf dieser abenteuerlichen Brücke auf die andere Seite und wieder zurück. Auf dem weiteren Weg kommen uns Hühner, Kühe, Pferde, Leute, Kinder, Schulbusse und LKWs entgegen und jeder, der an uns vorbeifährt oder den wir überholen grüßt in brasilianischer Manier mit erhobenen Daumen. Auch ein kleines Huhn kreuzt unseren Weg. Es sieht schon ziemlich fertig aus, ist für das Alter sehr mager und hat kaum Federn. Ausgerechnet unserem Gas-Gert springt dieses Huhn vor das Auto und macht auch keinerlei Anstalten sich wegzubewegen als Gert den Wagen weiter in die gleiche Richtung steuert. ?Wer weicht aus, du oder ich?, denkt Gert und wohl auch das Huhn. Unser Gert gibt schließlich nach und legt eine Vollbremsung ein. Mit blockierenden Rädern rast unser Wagen auf der Schotterpiste auf das Huhn zu, welches aber weiterhin ohne Reaktion die Strasse blockiert. Wir hören alle schon den Aufprall des Federviehs auf unserer Stoßstange. Doch der Wagen kommt kurz vor dem Huhn zu stehen. Ohne auch nur eine Feder zu bewegen, hat das Huhn die Konfrontation mit unserem Fahrer gesucht trollt sich dann seines Weges. Geboren wurde das Suicide-Chicken. Unsere erschrockenen Gesichter blicken schließlich in die von einer Gruppe von Männern, die dieses Schauspiel ebenfalls von einer Baracke entfernt verfolgt haben, aber nur müde darüber lächeln. Wahrscheinlich versucht das Suicide-Chicken es immer wieder sich umzubringen, aber das Ziel ist nie vom Erfolg gekrönt. Nachdem die Straße erst eine leichten Anstieg hatte, steigert sich das nun. Über viele Serpentinen und Höhenmeter geht es immer weiter hoch Richtung Pass. Der Ausblick auf die Umgebung wird immer reizvoller. Vorbei geht es an riesigen hellblauen Hortensien-Sträuchern, so was sieht man in keinem botanischen Garten oder der Landesgartenschau. Wunderschön, wir taufen schließlich diesen Weg die Strasse der Hortensien. Nach über 40 Kilometern, die wir zurückgelegt haben, fragen wir uns, ob wir überhaupt richtig sind. Es kommen uns keine Autos mehr entgegen und die Strasse wird immer schwieriger zu fahren, aufgrund riesiger Schlaglöcher, vielen Steinen und Felsbrocken, die aus der Strasse ragen. Wir checken unsere Proviantvorräte, die nur noch aus einem Panetone bestehen und hoffen bald wieder auf eine geteerte Strasse zu kommen. Sollte uns nämlich eine Panne passieren, dann würde es enorm schwierig werden, Hilfe zu holen oder den Wagen reparieren zu lassen. Doch Gert bringt uns sicher weiter. Zwischenzeitlich mussten wir übrigens seinen Namen von Gas-Gert in Gigi umändern, das passt dann doch besser. Auf der Spitze des Berges sehen wir dann plötzlich ein Schild: ?Lanches 200m?. Nach weiteren 100m erneut so ein ähnliches Schild. Wir erreichen schließlich ein kleines Haus mit einer netten Veranda und einem netten Garten. Wir nutzen die Chance, verlassen das Auto und fragen, ob wir hier wirklich etwas zu essen und zu trinken bekommen. Ein netter, älterer Herr bedient uns freundlich und sehr willkommen. Wahrscheinlich sind wir heute die einzigen Gäste. Schnell kommen wir ins Gespräch und er erzählt von sich, seinem Haus, seinem Leben und und und? Sehr spannend. Wir genießen zwischenzeitlich die von seiner Frau mit frischem Brot zubereiteten Sandwichs, trinken ein Wasser und erfreuen uns der Ruhe und Abgeschiedenheit in den Bergen. Da GG letzte Nacht so zerstochen wurde und er auch weiterhin ? trotz der 1000 Meter Höhenunterschied ? die Mücken anlockt, hat der alte Herr Erbarmen und bietet ihm ein eigengemixtes Wundermittel an, bestehend aus Alkohol und Nelken. Gigi zeigt sich voll begeistert von der Hilfe und reibt seine Beine und Arme reichlich mit dem Mückengift ein und riecht bald nur noch nach Plätzchen, wie Basti so schön bemerkt: Geboren wurde der Plätzchen- oder Weihnachts-Gigi. Glücklich und zufrieden verlassen wir diesen Ort, geniessen an einem Aussichtspunkt noch den Blick von den Bergen ins Tal, überblicken sozusagen unsere gesamte Strecke, die wir bereits zurückgelegt haben. Erstaunlich, dass die Berge bzw. Bergkämme hier alle die gleiche Höhe haben, wie ein Strich ziehen sich die Berge dahin. Weiter geht es noch lange 20km durch die Wildnis. Die Strasse bleibt zwar unverändert schlecht, aber es gibt kaum noch so starke Steigungen. Stattdessen fahren wir durch ein leicht hügeliges Hochland, weit und breit keine Häuser und kaum Bäume zu sehen, ab und zu sieht man ein paar Kühe, die an einigen Flecken zusammen grasen. Unterwegs kommen uns Lucky Luke, sein Pferd Jolly Jumper und sein Hund Rantanplan entgegen. Ein Bild für die Götter, leider sind wir zu spät am Auslöser der Digicams und dieses Bild wird sich nur in unseren drei Gedächtnissen wieder finden. Nach einer Stunde erreichen wir endlich wieder eine geteerte Strasse, das ständige Ruckeln weicht einem sanften Gleiten. Nach über 60km war es nun wirklich genug, vor allem ist das gut für unsere Durchschnittgeschwindigkeit, die wir nun wieder erhöhen können. Schließlich haben wir vor nicht zu spät in Canela, unserem gesteckten Tagesziel anzukommen. Plötzlich ziehen in der Abenddämmerung riesige Nebelwände auf und verdunkeln schlagartig die Sonne und die Sicht sinkt auf wenige Meter. Hier auf über 1000m ein sehr interessantes Spektakel. Dichter Nebel begleitet uns auch, als wir gegen acht Uhr abends in Canela (port. Zimt) eintrudeln. Canela ist im übrigen der bekannteste Ort der Serra Ga?cho, wie dieser Landstrich hier heißt, denn hier sinkt die Temperatur im Winter manchmal unter null Grad, und es schneit ungefähr alle zwanzig Jahre - eine Riesenattraktion für die Brasilianer. Im Lonely Planet hatte Strucki recherchiert, dass es in dem Städtchen Canela und deren Schwesterstaft Gramado einen Wettstreit über das schönste Weihnachtsstädtchen gibt und wir werden nicht enttäuscht? Wir kommen genau am ?Schmückungstag? in das 34.000 Einwohner Dörfchen. In der Hauptstrasse werden von vielen Ladenbesitzern und Einwohner wild die Weihnachtsbäume geschmückt und überall sieht man Leute wie Heinzelmännchen ihre Vorgärten und die Straßenzüge dekorieren. Uns überfällt auch ein Drang zum Schmücken und wir entscheiden uns spontan im Bazar Natal zwei Weihnachtskugeln (rot und silber) für unser Auto zu erwerben. In Canela, der Stadt im Nebel, ist es richtig frisch (12 Grad) und wir fallen mit unserem Strandoutfit, kurzen Hosen und FlipFlops schon auf, aber schließlich ist man nur einmal am Schmückungstag in Canela. Nachdem wir eine Pousada direkt an der geschmückten Hauptstrasse gefunden haben, wechseln wir schnell unsere Klamotten, geniessen eine Dusche, befreien uns vom Sand und bemerken unseren Sonnenbrand. Gegen 22.45 Uhr sind wir dann wieder auf der Strasse, die immer noch geschmückt wird, nehmen unseren Wagen und auf geht?s zum Pizza Rodizio, wo wir uns ein wenig stärken und mit Lecker Pils den Tag Revue passieren lassen. Gegen Mitternacht besuchen wir noch die im Nebel sehr magisch wirkende Kirche. Eigentlich wollten wir noch was trinken, aber Basti schwächelt ein wenig und so lassen wir das Los entscheiden, was wir machen. Basti gewinnt und wir treten die Heimreise in unsere Pousada an. Im Endeffekt ist das auch völlig in Ordnung, da wir alle völlig fertig sind und gleich in einen tiefen Schlaf fallen. Als der Wecker am nächsten Morgen klingelt, kommen wir nur langsam aus dem Federn, geniessen dann ein leckeres Frühstück und sind nach einer guten Stärkung gegen 10.45 Uhr Abfahrbereit. Es geht zum Alpen-Park, der wirklich so heißt und von einer deutschen Firma gebaut wurde. Der Alpen-Park ist eigentlich nur eine Bob-Bahn, wo da ein Park sein soll, ist uns unerklärlich, aber egal. Das Dreierticket gibt es für 28 Reals und nach einer 15 min. Wartezeit geht es endlich los und wir sitzen in den Bobs. Basti startet im gelbem Flitzer, Strucki im Ferrari-Roten und Gigi wieder im Gelben. Langsam nimmt der Bob an Fahrt auf und wird immer schneller und schneller. Als wir gerade die Spitzengeschwindigkeit erreichen, ist der Spaß auch schon zu Ende und eine Seilwinde zieht uns wieder nach oben. Eine knappe Minute war dann doch ein wenig kurz. Egal, zurück ins Auto und on the Road again. Nachdem wir uns ja schon einen Eindruck von Canela gemacht haben, müssen wir selbstredend noch nach Gramado fahren, um einen Vergleich ziehen zu können. Was in Canela bereits schon sehr nett geschmückt war, wird in Gramado noch um einiges übertroffen. Alles wirkt größer, ponpöser und noch liebevoller. Nicht nur eine Strasse ist groß geschmückt, sondern ein ganzer Strassenverbund. Die Strasseneinfahrten sind mit Torbögen aus Tannenzweigen und Schleifen versehen. Schneemänner säumen die Strassen und überall wurden Lichterketten in die Blumenbeete gelegt. Schade, dass wir dieses Schauspiel nur tagsüber sehen können. Überall verteilt befinden sich Boxen, aus denen Weihnachtslieder klingen und eine sehr weihnachtliche Stimmung schaffen. Wir sind alle drei völlig überwältigt. Das erste Mal, dass uns hier eine Weihnachtsstimmung überkommt. Normalerweise ist man immer in leichten Klamotten am Weihnachtsschmuck in Curitiba vorbeigelaufen und konnte sich das nicht so recht vorstellen. Aber hier im Hochland hat man wirklich das Gefühl im kalten Europa zu sein. Wahrscheinlich liegt das auch an den vielen deutschen, schweizerischen und italienischen Einwohnern, die in diesem Teil von Brasilien leben. Letztendlich können wir uns dann doch losreissen und es geht auf die Road again. Das nächste Ziel lautet Porto Alegre. Die gestern langsam erklimpten Höhenkilometer müssen wir nun wieder runter. Es gibt aber eine viel bessere Strasse, je weiter wir Gramado verlassen, umso weniger weihnachtlichen Schmuck findet man in den kleinen Dörfern, durch die wir fahren. Auf einmal befindet sich auf offener Strecke ein Hindernis auf der Strasse. GiGi weicht rechtzeitig aus und wir fahren drüberhinweg. Kaum drüber hinweg, durchzuckt es uns plötzlich alle. Das war doch nicht etwa, oder? Ja, eine riesen Vogelspinne kreuzte unseren Weg. GiGi bremst den Wagen ab und wir fahren langsam zurück, auf der recht verkehrsruhigen Strassen kein Problem, und Strucki steigt aus, um sich das Tier näher anzuschauen. Anscheinend hat die Spinne schon mehrere Versuche unternommen die Strasse zu kreuzen, jedenfalls fehlt ihr ein 8. Bein. Wir sind alle zusammen überrascht hier so eine Spinne anzutreffen, im Amazonas-Gebiet würde man die wohl eher antreffen. Zweieinhalb Stunden Fahrt liegen bereits hinter uns, als wir die Ausläufer von Porto Alegre, der Hauptstadt des südlichsten Bundesstaates Rio Grande do Sul, erreichen. Die Autostrada führt durch die ersten Industriegebiete und Favelas. Aber wir brauchen noch weitere 45 Minuten um langsam ins Stadtzentrum vorzudringen. Dort fehlt uns zwar anfangs die Orientierung nicht so einfach, aber schließlich können wir uns dank der Karte aus dem Lonely Planet durch das Strassengewirr navigieren. Das eigentlich günstigste Hotel aus dem Hotel existiert nicht mehr, dafür hat aber an gleicher Stelle ein neues aufgemacht, was uns für eine Nacht zu einem fairen Preis von 110 Reals für drei Personen beherbergt. Wir haben auch einen guten Fang damit gemacht, das Hotel ist sehr sauber, unser Zimmer befindet sich zwar ganz oben im 9. Stock, aber hat 2 Schlafzimmer, 2 Bäder, kleine Küche und einen Essbereich. Ganz ordentlich. Strucki genehmigt sich einen kurzen Powersleep während die anderen das Fernsehprogramm checken und den LonelyPlanet auf Sehenswürdigkeiten checken. Gegen 17 Uhr gehen wir dann auf Sight-Seeing in Porto Alegre(1,5 Mio Einwohner) und haben Glück. Samstags findet immer ein großer Markt (Mercado P?blico) in den Strassen der City statt und wir schmeissen uns gleich rein ins Gewühl. Im Vergleich zu Curitiba ist die Stadt hier um einiges dreckiger, die Häuser heruntergekommener und man fühlt sich nicht so wirklich sicher. Basti und Gigi sind sehr angetan von so einer typisch brasilianisch Stadt im Süden von Brasilien. Nach einiger Zeit haben wir uns an die Situation angepasst und streunen durch die City. Wir sind auf der Suche nach dem Kulturzentrum, wo man auf einer schönen Sonnenterrasse einen Caipi schlürfen kann und von dem man einen wunderschönen auf die große Lagune von Porto Alegre werfen kann. Nach einigen Umherirren werden wir dann doch fündig und geniessen auf der Terrasse des ehemaligen Majestic-Hotels ebenjenen Caipi. Auf dem Rückweg zum Hotel suchen wir die laut Reiseführer beste Churrascaria namens ?Churrasquita?, aber die suchen wir vergebens. Später stellt sich heraus, dass diese vor 3 Monaten schliessen musste. Bevor wir uns dann im Hotel umziehen besuchen wir kurz das nahe Internetcafé und während Gigi surft, zocken Basti und Strucki eine Partie Schach. Bei unserem netten Potero vom Hotel erkundigen wir uns dann nach guten Essens- und Ausgehmöglichkeiten für die Nacht. Wir entscheiden uns den Wagen stehen zu lassen und auch kein Taxi zu nehmen, um ein paar Taler zu sparen und lieber die Partymeile ganz in unserer Nähe unsicher zu machen. Schließlich entscheiden wir uns dann für Understatement. Gigi lässt seine schicken Hemden im Koffer, Basti und Strucki verzichten auf die schicken Schuhe, man weiß hier ja nicht, bloß nicht auffallen. Letztendlich passen wir uns genau den hiesigen Verhältnissen an. Die Restaurants sind alle hemmungslos überfüllt und nach einiger Wartezeit ergattern wir dann doch ein Tischchen und bestellen was zu essen. Zu spät fällt uns ein, nur 2 Portionen zu bestellen, der Tisch quillt schließlich über mit Essen und wir müssen leider die Hälfte wieder zurückgeben. Das war zu viel, obwohl Gigi alles gab, um der Menge Herr zu werden. In welchen Club wir genau wollten, haben wir schnell vergessen, wir lassen uns eher von den Brasilianern im Strom mittreiben. Vor einer Bar/Club schließlich hatte sich eine kleine Warteschlange gebildet und wir entschließen uns mal blind dort unser Glück zu versuchen. Der Türsteher schaute immer durch sein getöntes Glas und ließ nach und nach die Leute rein. Auch wir sind nach 15 Minuten endlich drin. Alles ist ein wenig kleiner als gedacht und sehr, sehr voll. Wir drängen uns vor zur Bar, bestellen was wohl, na klar einen Caipi und warten erstmal fünf Minuten bis wir das leckere Getränk geliefert bekommen. Aber das lohnt sich. Der Cachaca ist super lecker, aber hat es auch in sich. Basti und Gigi haut fast aus den Schuhen und beide ordern erstmal Eis nach. Zwischenzeitlich kommt Strucki mit ein paar Brassis ins Gespräch und unterhält sich super lange mit Carol, die aus Porto Allegre kommt. Basti und Gigi lassen sich das auch nicht nehmen und sind auch schnell in nette Gespräche verwickelt. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Gegen drei Uhr entscheiden wir uns noch einen Locationwechsel vorzunehmen und es geht zurück auf die Partymeile. Uns ist nicht so nach Tanzen zu müde, dafür sind die Beine zu schlapp und so trennen wir uns von den Brassis und werden in der Uruguay-Bar fündig, wo wir uns dann einen Absacker genehmigen. Völlig benebelt treten wir dann gegen halb vier den Heimweg an. Die Nacht wird kurz, schließlich wollen wir morgen bis halb elf gefrühstückt haben. Aber wir schaffen es und sind rechtzeitig auf, heute wollen wir uns auf dem Weg zurück in den Norden begeben. Das erste Hindernis was wir aber haben, ist aus dieser Riesenstadt rauszukommen. Wir irren durch die Stadt auf der Suche nach dem Freeway, aber leider ist die Beschilderung so schlecht, dass wir über eine Stunde herumirren bis wir dann dank mehrerer Beschreibungen den Weg Richtung Norden finden. Unser Ziel ist ein Canyon (Itaimbezinho) an der Grenze der Bundesstaaten Santa Catharina und Rio Grande do Sul, wir müssen uns auch beeilen, da der Nationalpark nur bis 16 Uhr offen ist. Gigi gibt alles, um uns rechtzeitig hinzubringen. Leider sind die restlichen 20 km zum Nationalpark wieder nur über einen Schotterweg zu erreichen. Das Wetter, was es eigentlich immer gut mit uns meinte, spielt auf einmal gegen uns. Es regnet aus allen Kübeln und je weiter wir uns wieder auf die 1000 Höhenmeter kämpfen umso mehr im Nebel verschwinden wir. Durch riesige Pfützen, die sich auf der Strecke bilden, steuert Gert unseren Wagen. Obwohl wir zwischenzeitlich überlegen den Besuch des Canyons anzubrechen, entscheiden wir uns dagegen und erreichen fünfzehn Minuten vor Schliessung des Eingangs den Park. Noch immer regnet es, aber nun sind wir ja nun mal da. Schnell machen wir uns regenfest und losgeht es in nasse Vergnügen. Nach kurzer Videoeinführung starten wir auf zu einem 40minütigen Trail entlang des Canyons. Zuerst geht?s durch einen kleinen Zauberwald zum Canyon, könnte fast aus dem Film Harry Potter entstanden sein. Vor allem der starke Nebel bewirkt sein übriges. Ab und zu, wenn die Nebelschwaden sich ein wenig lichten, kann man die Ausmaße erkennen. Dass es aber 720 Meter in die Tiefe gehen soll, können wir nur erahnen. Leider. Trotzdem genießen wir das bizarre Ambiente der in den Nebel getauchten Landschaft. Gegen fünf Uhr, die Parkwächter sitzen schon abfahrbereit in ihren Jeeps, treten auch wir den Heimweg an, zurück geht es die 20 Kilometer Richtung befestigte Strasse. An der Küste klart das Wetter auf, deshalb entschliessen wir uns eine andere Strecke zu nehmen, die uns an der Küste entlang führt. Bei Morro dos Conventos nehmen wir die Abzweigung zum Strand, keine schlechte Entscheidung. Wir landen an einem riesigen, langen Strand, wo man keine Enden erkennen kann. Ein kurzer Zwischenstopp, Basti erkundet die Aussicht vom örtlichen Bademeisterausguck und Strucki und Gigi begeistern sich für die auf dem Strand fahrenden Autos. Sogar so stark, dass wir kurze Zeit später auch auf dem Sand über den Strand flitzen. Unglaublich. Das Wasser direkt neben einem geht?s kilometerweit Richtung Norden. Leider kommen wir an die Mündung einer Lagune und eines Flusses und haben keine Chance am Strand weiterzufahren, sondern müssen ein Stückchen zurück, um auf die richtige Strasse zurückzukehren. Weil uns der Hunger arg plagte, halten wir in der Stadt Araranguá an, wo wir auf der Hinfahrt schon eine Nacht geblieben waren und in die wir eigentlich nicht zurückkehren wollten. Naja, man soll niemals nie sagen. Nach einem kurzen Snack fahren wir weiter durch die Nacht nach Garopaba, in dem Surferparadies haben Basti und Gert bereits bei früheren Trips eine nette Pousada gefunden, die wir auch diesmal ansteuern. Ab in die Federn und schlafen, nach der gestrigen kurzen Nacht sind wir alle hundemüde. Am nächsten Morgen sieht Strucki, wo er hier gelandet ist. Die Attraktion von Garopaba sind die über 15 Strände und die hohen Wellen, die es zu einem der beliebtesten Surferparadiese machen. Der Name Garopaba geht zurück auf den zusammengesetzten Begriff "Y-Gara-Paba" aus der Sprache der Carijó-Indios und bedeutet wörtlich: "Viel Wasser-viel-Fisch-viele Berge". Der heutige Plan sieht so aus, falls das Wetter schlecht sein sollte, treten wir umgehend die Heimreise an und geben unser Auto ab, sollte es hingegen für einen Strandtag reichen, besuchen wir noch den Surferstrand Nr. 1: Praia do Rosa. Die Anzeichen stehen aber nicht gerade gut, grad als wir aufstehen, prasselt ein Regenschauer herab. Aus Garopaba kommt auch die berühmte Surfermarke Mormaii, die auch hier einen Factory-Outlet-Store hat. Insgesamt eine Stunde verbringen wir in dem Laden, probieren verschiedene Klamotten aus, aber nur Gigi ist erfolgreich und kauft sich einen Rucksack. Da sich das Wetter dann doch besserte und komplett blauer Himmel zum Vorschein kam, nutzen wir die Chance und fahren zum Praia do Rosa, dem schönster Strand der Region. Die Einwohner und Ökologen versuchen hier ein rustikales Ambiente zu erhalten. Die Strassen sind nicht asphaltiert, es gibt keine Beleuchtung und das Errichten von Gebäuden ist mittlerweile verboten. Das zahlt sich scheinbar aus, zwischen Mai und November besuchen Wale die Küste, um hier ihre Jungen zur Welt zu bringen. Wir können aber dieses Schauspiel nicht beobachten, schade? Dafür geniessen wir einen fast leeren, wunderschönen Strand, lassen uns von den Sonnenstrahlen unsere Haut bräunen und Basti und Strucki geniessen das Planschen in den Wellen. Natürlich steht auch Beachball auf dem Programm, ein wenig schwierig bei dem stärker werdenden Wind, aber nicht unmöglich. Zum Abschluß unseres Offroadtrips geniessen wir schließlich eine Surfer-Fischplatte in einem wunderschönen Restaurant mit tollem Blick über die Bucht. Selbstverständlich darf dabei ein Caipi nicht fehlen, was will man mehr, tolles Wetter, toller Beach, toller Blick, tolles Essen und nen tollen Caipi. Alles in allem ein unglaubliches Wochenende, sehr facettenreich und so wahnsinnig spannend und interessant. Schade, dass wir so wenig Zeit hatten, aber innerhalb von fünf Tagen haben wir dann doch eine Menge gesehen und einen super Eindruck vom Süden bekommen. Das Brasilien groß ist, sieht man schon an der Landkarte, aber bei jeder Reise ist man erneut über die Entfernungen überrascht. Das ganze Wochenende haben wir über 2000 Kilometer gefahren, einmal Flensburg ? Konstanz und zurück. Unvorstellbar. Unser Gol hat bis auf eine kleine Beule und eine Schramme auch tapfer alles mitgemacht, ebenso wie unser Team, das hat vorne und hinten gestimmt. Jungs, auf ein neue Tour? |