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Montag, 06 Februar 2012
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Sylvester in Rio de Janeiro PDF Drucken E-Mail
Montag, 03 Januar 2005
Auf nach Rio, endlich geht?s zum Zuckerhut, zur Copacana, nach Ipanema, zum Cristo. Viel hab ich schon gehört, viel gelesen, wird die Stadt ihr Versprechen halten und atemberaubend und beeindruckend sein? Vamos ver (Wir werden sehen)?

Nachdem wir das Kolonialstädtchen Parat? verlassen haben, erreichen wir nach 4 Stunden Fahrt Rio de Janeiro. Mit dem Taxi geht es nach Ipanema, ich bin ein wenig enttäuscht, es ist bedeckt und man kann den Christo noch nicht mal erahnen.

In dem gebuchten Apartment sollten uns eigentlich Gigi, seine Eltern und Jana erwarten, stattdessen treffen wir Flavio, der spontan doch noch nach Rio gekommen war. Das Apartment ist zwar für sechs Personen schon zu klein, da kommt es dann auf einen oder anderen auch nicht mehr an. Gut Flavio war nicht eingeplant und Gigi konnte dann mal wieder nicht Nein sagen, aber im Prinzip hat es ja was Gutes, wir sparen alle 50 Reals für diese Woche.

Die anderen kommen dann gegen Mitternacht von einer Sambashow zurück und sind voll aufgeputscht. Basti und ich, eigentlich hundemüde, lassen uns überreden und gehen noch etwas trinken, bei mir heut aber mal alkoholfrei.

Das Apartment liegt in Ipanema und das krasse ist, dass gleich hinter dem Haus die Favela anfängt. Das Haus liegt an einem sehr steilen Hang, man fährt erst mit einem Fahrstuhl in den 4. Stock, der erste, zweite und dritte sind nur Garagen. Steigt man im vierten Stock aus, befindet man sich auf einer Riesenplattform, wo dann das eigentliche Haus steht. Hier gehen dann in jeder Ecke vier Fahrstühle zu den einzelnen Wohnungen hoch.

Guckt man bei uns hinten aus dem Fenster, ist in sieben Meter Entfernung ein steiler Felsen, der mit Gittern und Glasscherben bestückt ist und ca. 10-15 Meter über uns fängt dann die Favela an, sehen kann man sie aber nicht, da alles mit Bäumen und Sträuchern zugewachsen ist. Die Strasse rechts von unserem Eingang(70 Meter entfernt) führt dann auch direkt zum Eingang der Favela und soll laut Poteiro nicht genutzt werde, sondern man soll immer geradeaus in die Stichstrasse gehen.

Ansonsten habe ich nicht das Gefühl mich unsicher zu fühlen. Ein Straßenzug von uns entfernt, pulsiert das Leben von Rio de Janeiro. Der Name der Stadt entstand übrigens folgendermaßen: Die erste Schiffs-Expedition mit dem Ziel, die brasilianische Küste zu erforschen, verliess im Jahre1501 unter dem Kommando von André Gonçalves das portugiesiche Festland. Am 1. Januar 1502 erreichte der Kapitän die Bucht von Guanabara, der er den Namen "Rio de Janeiro" gab. Die Seefahrer glaubten sich in der Mündung eines gewaltigen Flusses zu befinden und nicht in einer Bucht. Damals wurden Neuentdeckungen immer mit dem entsprechenden Datum benannt, daher der Name: "Fluss des Januar". So entstand der Name, lange bevor an derselben Stelle die eigentliche Stadt gegründet wurde.

Am nächsten Morgen endlich Traumwetter, Eva und Matze sind über Nacht von Curitiba nach Rio gekommen und gemeinsam entscheiden wir uns mit Basti und Jana zum Cristo zu fahren. Das Wetter, blauer Himmel, Sonne, müssen wir ausnutzen. Mit zwei Taxis geht's durch Rio und dann über Serpentinen die Strassen hoch zum Corcovado.

Auf dem 710 Meter hohen Berg, wurde 1931 die Christus-Statue, als nationales Denkmal zum 100jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit von Portugal errichtet. Nicht nur der Anblick ist beeindruckend, auch die Daten sprechen für sich: Gesamthöhe: 38m (davon 8m Sockel und 30m Statue), Desamtgewicht: 1.145 Tonnen, Spannweite: 28m Distanz zwischen den Händen und Länge der Hände: 3,20m


Man merkt gleich, dass wir in der Hochsaison sind, es ist megavoll. Kaum sind wir oben, da zieht der ganze Berg und der Cristo zu, megaschnell. Die gute Sicht verschwindet und auch der Cristo hüllt sich in Nebelschwaden, trotz der Sonnenstrahlen. Schade, aber da kann man nix machen, nach einer Stunde treten wir den Rückzug an. Die Taxifahrer haben gewartet und bringen uns zu einem nahe gelegenen Aussichtspunkt, von wo man einen Topblick auf Rio mit seinen vielen Stränden, Bergen, Favelas, Hochhäusern, der Bucht, der Brücke nach Niteroi und dem Lagoa und natürlich nicht zu vergessen auf den Zuckerhut hat. Was für eine beeindruckende Stadt.

Von unserer Tour zurück, gehen wir schnell einkaufen und relaxen eine Weile. Wir sind in Entdeckerstimmung, Basti, Jana und ich nehmen den Bus 511 Richtung Zuckerhut. Trotz der vielen Busse dauert es eine Weile bis unserer dann kommt. Es geht durch die belebten Strassen von Ipanema und der Copacabana. Überall kann man in den Geschäften weiße Kleidung ausgestellt sehen, welche man für Sylvester erwerben kann.

Nach 30 Min. Fahrt erreichen wir den Zuckerhut, überlegen kurz ob wir wirklich rauffahren sollen, es ist noch ein wenig mehr zugezogen, aber wir beschließen das Wagnis einzugehen. Mit der Gondel bekannt aus dem James Bond Film Goldfinger geht's zuerst zur Zwischenstation und von dort aus weiter zum ältesten Wahrzeichen von Rio dem Pão de Açucar. Oben angelangt genießen wir den grandiosen Blick von diesem 396m hohen massiven Granitquader auf die Strände von Botafogo, Flamengo, Copacabana und natürlich auf die gesamte Stadt.

Die Aussicht auf die Stadt, die Bucht und über das Meer überwältigt und macht sprachlos. Man steht wirklich eine ganze Weile da und schaut auf die Stadt, die vielen grüne Inselchen, den Stadtflughafen, die Strände und erkennt am Horizont die Gipfel der bis zu 1.000 Meter hohen Serra do Mar. In der Bucht dann die größte Brücke Brasiliens, 14 Kilometer lang zur Nachbarstadt Niterói, die Botafogo-Bucht, die auf allen Postkarten abgebildet ist und immer fälscherlicherweise als die Copacabana dargestellt wird. Die Dämmerung beginnt, wir schauen auf das Lichtermeer und durch Weihnachten blinkt es überall noch ein wenig heller. Beeindruckend bleiben wir bis kurz nach neun auf dem Gipfel des Zuckerhuts.

Der Abend wird mit einem leckeren Essen und vielen leckeren Caipirinhas abgerundet. Gegen zwei Uhr nachts versinken wir müde in den Schlafgemächern. Vorher jedoch bleiben wir noch alle sieben im Fahrstuhl stecken, aber schon nach drei Minuten sind wir wieder befreit, der Poteiro wusste sofort Bescheid und rettete uns.

Ein Tag vor Sylvester, Basti und ich haben uns in den Kopf gesetzt über Rio Drachenzufliegen. Dafür stehen wir extra früh auf - acht Uhr. Zu zweit machen wir uns auf den Weg und werden in einem Reisebüro fündig. Achtzig Dollar soll der Spaß kosten, wir handeln 10 Prozent Rabatt raus, brennen noch unsere Fotos auf CD, holen Brötchen und wecken die anderen, um diese von unseren Plänen zu unterrichten. Die schlafen aber um 10.30 Uhr noch alle.

Bis auf Flavio, der ein wenig Angst hat, sind dann alle Feuer und Flamme von unserer Idee. 202 Reals bezahlen wir im Reisebüro pro Person und gegen Punkt 12 Uhr werden wir abgeholt und fahren durch die Stadt zum Strand von Sao Conrado. Leider haben wir ein wenig Pech, der Gávea-Felsen, der Absprungspunkt ist von einer kleinen Wolkendecke verhängt. Vierzig Minuten warten, dann geht's los. Mit einem Buggy heizen wir den Berg rauf, obwohl Basti und ich als erstes auf dem Berg sind, dürfen wir nur als letzte springen?

Auf dem Startplatz ist die Hölle los, jeder baut seinen Drachen auf und es gibt die Security- Einweisungen, wie man sich im Anlauf, Flug und bei der Landung zu verhalten hat. Basti springt genau vor mir, dann vier Schritte Anlauf, meine Füsse schweben in der Luft und mein Tandempartner nutzt die Thermik und lässt unseren Drachen in die Höhe steigen. Jaaa, ich fliege. Ein unglaubliches Gefühl, frei wie ein Vogel gleiten wir über dem Nationalpark, sehen die Häuser von Rio, die Strände, die Berge und das Meer, bezaubernd.

Mein Pilot (nennt man das so?) erklärt mir ein wenig, wo was alles liegt, wie alles funktioniert. Aber das ist alles nebensächlich. Wie in einem Rausch sauge ich alles in mich auf. Ganze achtzehn Minuten dauert der Flug, bevor wir zur Landung am Strand von Sao Conrado ansetzen und die dann blitzsauber von meinem Tandempartner hingelegt wird.

Während des Fluges habe ich ein paar Fotos schießen können, aber auch mein Partner hat per Fernsteuerung Fotos von mir im Flug gemacht. Kostenpunkt 20 Dollar oder 60 Reals. Flavio handelt die dann doch glatt noch raus und wir bekommen sie geschenkt. Danke. Die ganze Aktion wird umgehend mit einem Bier begossen, danach geht's nach Hause, umziehen und strandfertig machen.

Am Ipanema Beach tanken wir Sonne, bevor es dann abends kurz ins Internet geht und danach in Nachtleben der Copacabana. Auf der Strandpromenade erfreuen wir uns an dem ein oder anderen Caipi und lassen wir uns einnehmen vom Treiben und vom Flair dieses berühmten Strandes. Spät erreichen wir dann wieder das Apartment - 2.15 Uhr. Heute keine Disco, wir müssen uns für Sylvester schonen.

Am Sylvestermorgen lassen wir uns viel Zeit, heute keine Hektik. Schlafen bis zwölf und dann um halb zwei an den Strand. Es ist so abartig heiß - 35 Grad, dass einem der Schweiß in Strömen von der Haut läuft. Das Meer bringt eine kurze Abkühlung, ein Sonnenschirm schon mehr.

Es ist Zeit das Jahr ein wenig Revue passieren zu lassen, schon wieder sind 365 Tage vorbei, wo ist die ganze Zeit geblieben. Soviele schöne Momente hab ich erlebt. Vor einem Jahr Sylvester in Bremen gefeiert, dann Klausuren bestanden, dann mit Hogi Aldiana auf Fuerte gemacht, meinen Geburtstag in München mit Meisterschaftssieg und WG-Party gefeiert, dann das sensationelle Pokalfinale in Berlin, dann endlich prüfungsfrei geworden, die Motorbootprüfung erfolgreich abgelegt, die Renovierung der Alexandra von Humboldt und das spätere Segeln u.a. am Seenachtsfest, Kurztrip nach Dänemark zu Betti und Fabs, dann Wandern mit den Volleyballern im Allgäu, Umzug nach Bremen, Wohnen und Leben in Brasilien, Weihnachten am Strand und Sylvester in Rio. Wahnsinn, wer hätte das alles gedacht, vor einem Jahr noch undenkbar, dass ich in Rio den Jahreswechsel feiere.

Die Cariocas, Einwohner von Rio, nutzen den Jahreswechsel um der Meeresgöttin Iemanjá Opfergaben zu schenken: Rosen, Blumen, Sekt, Parfüm, Spiegel, etc. Dem Brauch nach soll, wenn sie die Gaben annimmt, im nächsten Jahr alles erfolgreicher werden. Es scheint als ob heute jeder am Strand wäre, es ist rappelvoll, überall probieren Händler ihre Waren loszuwerden, das fängt bei Strandtüchern an und geht über Ketten, Sonnenbrillen, Bällen, Scampispiesse, Kokosnüsse, Früchte, Nüsse bis zu den unterschiedlichsten Getränken.

Sogar als die Sonne gegen fünf hinter einer kleinen Wolkenschicht verschwindet, bleibt es bei 30 Grad. Am Besten gar nicht bewegen, flach atmen und Tagebuch schreiben, wie jetzt zum Beispiel. Gegen sechs geht's zurück in Wohnung. Jetzt kommen die gekauften weißen Klamotten ins Spiel, ich hab noch nie eine weiße Hose besessen, aber am letzten Tag des Jahres 2004 soll sich das ändern. Ganz in weiß machen Gigi, Jana, Eva, Matze, Basti, Flavio, Rachel und ich uns auf den Weg zur Copacabana. Erst noch lecker essen im Kilo-Büfett zur Stärkung und dann zur schon gut gefüllten weltberühmten Strandpromenade.

Überall werden Getränke und Essen(Cachorro Quente, X-Tudo, Fleischspiesse, etc.) angeboten. Mal ein Bier hier, mal da einen Caipi. Basti und ich organisieren noch Blumen, damit wir der Meeresgöttin auch etwas schenken können. Dann wird auch schon der Countdown auf den Leinwänden angezeigt, Punkt Mitternacht startet dann das Feuerwerk von acht vor der Küste liegenden Tankschiffen. Alle liegen sich in den Armen und wie immer wird einem nur das Beste gewünscht. Viele stehen am Wasser, opfern ihre Blumen und lassen kleine Schiffe mit Kerzen und Geschenken in See stechen. Außerdem springt man sieben Male über die Wellen und darf sich bei jedem Mal etwas wünschen. Was ich mir wohl gewünscht habe?

Zu diversen Rhythmen tanzen wir am Strand, bevor wir dann müde im Sand eine Auszeit machen, uns wieder in die Menge stürzen, bevor wir dann eine Runde am Strand dösen und den Sonnenaufgang beobachten. Wir sind nicht die einzigen. Der Strand ist immer noch brechend voll, viele verbringen hier die Nacht. Immer noch verkaufen Händler ihre Waren. Gegen 7.30 Uhr machen wir uns dann auch auf den Nachhauseweg und freuen uns nach diesem einmaligen Ereignis auf einen tiefen und erholsamen Schlaf.

Der Neujahrstag beginnt bewölkt, den Morgen haben wir verschlafen, nachdem die Neujahrsgrüße über Skype nach Deutschland überbracht wurden, chillen wir ein wenig am Strand. Bis 20 Uhr bleiben wir da, sehen den Sonnenuntergang an und machen uns dann fertig für die Nacht. Matze und Eva sind schon nach Cabo Frio gefahren, wohin ich morgen aufbrechen werde. Der feste Kern bleibt aber noch vor Ort. Wieder mal Abendessen im Kilo-Büfett, dann an der Copacabana entlang die Bilderausstellungen einiger Künstler angeschaut und den üblichen Caipi genossen, bevor wir in die Disco Bunker gehen.

Rachel hat Rabattkarten dabei und wir kommen trotz Ausweichkontrolle ohne Ausweise in die Disco. Zwei Dancefloors, gute Preise und ein interessantes Publikum machen den Abend zum Hit. Bis spät in die Nacht wird gefeiert. Anmerkung der Laden ist schon ein wenig strange, das hier jeder mit jedem knutscht, ist ja nun normal, Mädels mit Mädels, Jungs mit Jungs auch, aber das die das dann auch noch zu dritt machen???

Weiter geht's mit der Geschichte von Cabo Frio und Buzios, aber wie immer ist das eine andere Geschichte?

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