 | Ungefähr 90 Kilometer von der Hauptstadt von Parana(Curitiba) liegt im Nord-Westen der National-Park Vila Velha. Die Hauptattraktionen ist von geologischer Art - riesenhafte rote Sandsteinfelsen, von Wind und Wetter und dem Zahn der Zeit zu grotesken Steinmonumenten verformt. Im ersten Moment erinnern sie an die Ruinen einer antiken Stadt - daher stammt auch der Name: Vila Velha (alte Stadt). |
Bereits unter der Woche diskutierten Axel und Strucki über einen Tagestrip zu dieser Attraktion, Eva und Basti schlossen sich den Plänen an gemeinsam ein Auto zu mieten, dann dorthin zu fahren und danach die Gegend zu erkunden. Am Freitagabend war Axel dann aber ein Besuch in der Disko "Jokers" wichtiger als die morgige Reise. Matthias sprang daraufhin kurzfristig ein. Samstag morgen 9 Uhr, der Himmel ist bedeckt, wir machen uns auf dem Weg das Auto zu mieten, doch leider nicht ganz so einfach, die ausgesuchte Autovermietung wird grad renoviert, aber wir werden bei einer anderen fündig. Der Spass ist ein wenig teurer als sonst(89 Reals), aber dafür kriegen wir auch einen VW Fox, ein Auto vom Volkswagenkonzern, welches erst seit knapp einem Jahr auf dem Markt ist. Ach ja nicht zu vergessen wir hatten einen Fox Flex. Flex bedeutet, dass er nicht nur Gasolina (Benzin), sondern auch ?lcool (Alkohol) aus Zuckerrohr perfekt verarbeiten kann. Perfekt, schließlich kostet ?lcool fast 80 Centavos weniger (Gasolina liegt bei 2,30 Reals pro Liter). Nachdem wir irgendwann auch Matthias erfolgreich bei ihm zuhause abgeholt haben, geht's auf die gut ausgebaute Schnellstrasse in Richtung Ponta Grossa. Nach einer knappen Stunde Fahrt erreichen wir den Nationalpark, das Wetter klart auf, die Sonne kommt hervor, wir kaufen Studi-Tickets für 3,50 Reals, informieren uns durch ein kleines Infovideo und werden dann mit einem kleinen Bus zum Start der Wanderwege gebracht. Die hoch aufragenden roten Sandsteingebilde (Arenite) erinnern an Bilder aus amerikanischen Indianerfilmen, so was Ähnliches soll man auch im nordamerikanischen Monument Valley in Yuta finden. Zur Entstehung: Vor cirka 340 Millionen Jahren lag die gesamte Region unter einer Eisdecke begraben. Als die klimatischen Bedingungen sich änderten und das Eis schmolz, wurden die enormen Sandablagerungen des Gebiets dem Regen und dem Wind ausgesetzt. Im Verlauf vieler weiterer Jahrmillionen formte die Natur mit diesen Werkzeugen gigantische Figuren aus dem zusammengepressten Sandstein. Den ersten Menschen, die sie sahen, erschienen sie wie die Reste ehemaliger Gebäude. Andere ließen ihrer Phantasie großzügigeren Lauf und sahen in den vom Wetter bearbeiteten Felsgebilden eine ganze Menagerie vom lieben Gott gestalteter Tier- und auch Menschen-Figuren, wie zum Beispiel das Kamel, den Indianer, die Braut, die Flasche, den Stiefel, den Schiffsrumpf und vor allem: den berühmten Kelch, das Symbol des Parks. Uns wird alles von einem netten Mädel erklärt, die uns auch während der Wanderung begleitet, uns alle Figuren zeigt und beschreibt. Manchmal braucht man dann aber doch eine Weile bis man im Gestein eine Figur erkannt hat. Der Rückweg führt durch einen Wald bzw. Dschungel vorbei an steilen Felswänden. Obwohl nicht erlaubt, bewegen wir uns dann doch ein wenig abseits der Piste und klettern in einige Felsvorsprünge und Höhlen. Nach einem kleinen Lunch beim Visitors Center werden wir mit ein paar anderen Touris zu der zweiten Attraktion gefahren, den Furnas. Dabei handelt es sich um 15 tiefe Kraterlöcher, der Volksmund, der sich hier, wie fast überall, in etwas drastischerer Art auszudrücken pflegt, nennt sie "Kochtöpfe der Hölle". Vier Furnas befinden sich innerhalb des Parks und werden von uns besichtigt. Sie entstanden durch von unterirdischen Wasseradern ausgelöste Erdrutsche. Diese Krater haben einen Durchmesser von 80 m und sind über 100 m tief - in einem von ihnen führt ein Lift den Besucher 54 m tief bis an die Oberfläche des Kratersees heran, aber wir haben Pech, der Lift hat die Wartungsarbeiten nicht überstanden und wir können nur von oben einen Blick in die tiefen Krater riskieren, trotzdem sehr eindrucksvoll. Danach besuchen wir noch eine Lagune, die unterirdisch mit den Kratern verbunden ist, aber da es gestern hier geregnet hat, ist das Wasser so trüb, dass man das tolle Blau des Sees nicht sehen kann. Wir verlassen den Nationalpark in nördlicher Richtung und erreichen Ponta Grossa (270.000 Einwohner). Die Stadt liegt auf einer Bergkuppe auf 970m, ist bedeutender Produzent von Soja und anderem Saatgut und liegt auf einem wichtigen Kreuzungspunkt von LKW-Transporten aus allen Himmelsrichtungen. Das was dann auch. Wir umkurven mit unserem Fox einmal die Kathedrale und den Kirchplatz, entscheiden uns hier nicht lange zu bleiben, erstens aufgrund fehlender Sehenswürdigkeiten und zweitens weil der Himmel so schwarz ist, dass es auch sofort zu regnen anfängt. Bergab verlassen wir auf einer langen Strasse Ponta Grossa, vorbei an den Ausläufern der Favela, hier ist das aber nicht so gefährlich wie in São Paulo oder Rio, und lassen uns treiben. Das nächste Ziel liegt 35 Kilometer entfernt: Palmeira. Das kleine Örtchen erkunden wir erst mit dem Auto, um uns einen Überblick zu verschaffen, halten dann am Dorfplatz, geniessen ein Feierabendbierchen in der untergehenden Sonne und schauen dem Treiben der Dorfjugend zu. Herrlich. Dann meldet sich auch der Hunger zu Wort und wir entscheiden uns für ein Churrasco, nicht so ganz einfach, nach langem Suchen und Fragen werden wir fündig. Im karg eingerichteten Restaurant sitzen wir kaum und schon wird das Essen aufgefahren. Anfangs beobachten wir das ein wenig skeptisch, da die Beilagen nur Tomate, Gurke und Zwiebeln sind, doch nach und nach füllt sich der Tisch mit leckeren Beilagen und Fleisch. Die Fleischspiesse werden direkt mit der Spitze in einen Stein gesteckt und wir können uns aus dem knapp 1 Meter hohen Spiessen das gewählte Stück Fleisch abschneiden, mal was ganz anderes. Völlig gesättigt, glücklich, nur 15 Reals ärmer treten wir dann gegen halb zehn die Rückreise an und erreichen gegen elf Uhr wieder Curitiba. |