 | In Deutschland schneit es, Minusgrade lassen einen die Kälte in Mark und Bein spüren. Gut, daß hier in Brasilien grad Sommer ist und die Temperaturen angenehm auszuhalten sind. Das sagte sich auch mein Vater und machte spontan einen zweiwöchigen Kurztrip über den Äquator. |
Mir wurde die Reiseplanung überlassen. Was machen, wenn man gerade mal 14 Tage hat, um möglichst einen umfangreichen Eindruck von Brasilien zu bekommen. Ganz klar, an Position Nummer 1 steht natürlich ein Besuch in Rio. Schließlich ist diese Stadt auch das Aushängeschild der Brasilianer. Beeindruckend sind weiter die Cataratas von Iguacu, die Wasserfälle sind echt ein Naturschauspiel für sich und da sie sich auch nicht zu weit weg befinden ein weiteres "Muß". Die restlichen Tage soll ein Besuch in Paraná (mit Bahnfahrt und Insel) und in Santa Catharina, den beiden nahegelegenen Bundesstaaten, ausfüllen. Leider macht meiner Reiseplanung das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es regnet aus vollen Kübeln und es hört überhaupt nicht mehr auf. Das geplante Sightseeing in Curitiba beschränkt sich auf die Shoppings und abends auf leckere Restaurants, Sushi im Tatibana und Churrasco im Dom Gabriel. Spontan nehmen wir uns am zweiten Tag einen Mietwagen und versuchen in Richtung Süden dem Wetterchaos zu entfliehen. In Joinville, direkt am Wasser und größten Stadt in Santa Catharina, ist das Wetter schon richtig angenehm. Zumindest schaut die Sonne regelmäßig hinter den Wolken hervor und es ist angenehm warm. Nach einer kurzen Stippvisite geht es weiter Richtung Halbinsel Bombinhas, wo wir gerade noch eine Pousada für die Nacht finden - alles ausgebucht von Argentiniern, die ihren Urlaub hier verbringen. Der geänderte Plan sieht wie folgt aus, den gemieteten Europcar-Wagen in Paranagua abgegeben und dann für eine Nacht auf die Ilha do Mel zu fahren und am Sonntag dann den Gebirgszug von Morretes nach Curitiba zu nehmen. Alles zeitlich ein wenig eng bemessen, aber wir schaffen alles immer just-in-time. Auf der Insel, ohne Autos oder geflasterten Wegen, wäre mein Vater schon gerne noch länger geblieben, aber "wir ham doch keine Zeit...". Die Entscheidung meinen eigentlich Masterplan umzuwerfen war goldrichtig. So haben wir ein Mordsglück und das beste Wetter für die traumhafte Zugfahrt. Abends in Curitiba dann noch ein leckeres Abschiedschurrasco mit meiner WG und am nächsten Mittag sitzen wir schon im Flugzeug nach Foz do Iguacu. Mittlerweile haben wir hier rausbekommen, das Fliegen nicht teuerer ist als wenn man die Strecke mit dem Flugzeug fliegt, vor allem man spart sich die mühselige Fahrt durch die Nacht. Angekommen in Foz werden wir von einer schwülen Hitze empfangen, es hat gerade fürchterlich geregnet und die letzten Tage hatte es Temperaturen von über 40 Grad Celsius. Das Atmen fällt einem schwer, die Klamotten kleben an den Leibern. Ich hatte bereits vom Hotel einen Abholservice organisiert und bespreche mit dem Fahrer Joan, daß wir einen Umweg machen und uns erst den coolen Vogelpark und danach die brasilianische Seite der Falls anschauen. Mein Vater meint nachher, daß man die brasilianische Seite getrost vergessen kann, wenn man die Möglichkeit hat die argentinische Seite zu besichtigen. Aber ich denke, der Vergleich lohnt sich, vor allem, weil wir keine Zeit verloren haben. Im Gegensatz zu meinem Besuch im November letzten Jahres haben die Falls nicht mehr soviel Wasser, obwohl es ja in Curitiba ordentlich geregnet hatte und das Wasser von dort ja direkt hier in die Falls fließt. Wo ich grad davon sprechet, natürlich muß es plötzlich wieder stark anfangen zu regnen als wir auf dem Steg des Teufelsrachen angekommen sind. Da hier die Tour aber eh zu Ende war, haben wir keinen weiten Weg zum Minibus von Joan, der mit unserem Gepäck auf uns gewartet hatte. Es geht zurück ins Hotel, abends zeige ich meinem Vater dann eine weitere Art eines Rodizios, heute steht Pizzarodizio auf dem Programm. Im Internet habe ich zwischenzeitlich die Wettervorhersagen gescheckt und da es am nächsten Tag gemischt sein soll, entscheiden wir uns für eine Tour nach Paraguay und danach zum Staudamm Itaipu incl. Besuch des Museums. Den Abend verbringen wir im Rafarin, wo es eine brasilianische Tanzshow incl. Churrasco zu sehen gab. Ein total witziger Abend nicht zuletzt wegen den beiden süssen Argentinierinnen vom Nebentisch. Am drauffolgenden Tag steht dann die argentinische Seite auf dem Programm. Das Warten hat sich gelohnt, keine einzige Wolke am Himmer trübt das Vergnügen. Wir machen gleich die Fahrt durch den Dschungel mit den Trucks und sind fast die ersten die die Bootstour machen, wiedermal ein spannendes und beindruckendes Vergnügen. Beim letzten Mal hatte es ja soviel Wasser im Iguacu gehabt, daß wir keine Chance hatten die kleine Insel im Iguacu zu besuchen. Heute ist das möglich, die Möglichkeit nutzen wir natürlich sofort. Vor allem hat man die Gelegenheit sich ein wenig auszuruhen und seine Klamotten zu trocknen. Es geht weiter durch den Park, es folgt noch die Ecotour mit dem kleinen Booten und die Fahrt mit der Eisenbahn. Beim letzten Mal haben wir anscheinend ein gutes Tempo an den Tag gelegt. Wir schaffen es nicht, alle Wege abzuklappern und alles zu sehen, aber die Highlights haben wir natürlich schon abgedeckt. Am nächsten Mittag nehmen wir dann einen Flug nach Rio de Janeiro. Mit TAM geht es erst zum Stadtflughafen Sao Paulo und von dort weiter mit Varig nach Rio. In Rio landen wir dann in Sant Dumont, dem Flughafen direkt neben dem Zuckerhut. Doch leider spielt das Wetter wieder nicht mit. Die Stadt ist wolkenverhangen. Der erhoffte Blick auf die Stadt ist nicht so wie ich mir das gedacht habe. Das gebuchte Hotel war dafür aber einfach spitze gelegen. Ein Block neben dem Rio Palace und direkt an der Avenida Atlantica. Einmal die Strasse überqueren und schon steht man auf der Copacabana. Gut, qualitativ hätte es besser sein können, aber die morgendliche Aussicht auf die Copa und das Meer entschädigt alles. Was ich bei meinem letzten Besuch in Rio nicht ganz geschafft habe, war ein Besuch in den Stadtviertel wie Botafogo, Flamengo, der City, etc. Vor allem die neue Kathedrale und die weiteren Kirchen und Sehenswürdigkeiten in der Altstadt standen auf dem Programm. Besonders zu empfehlen ist die Confeitaria in einer Nebengasse. Eingerichtet im Jugendstil kann man das Flair der 20er Jahre spüren. Selbstverständlich gehörte ein Besuch auf dem Zuckerhut und ein Besuch im Maracana-Stadion zum Pflichtprogramm. Wir hatten Glück am Sonntag abend fand das Spiel Vasco gegen Botafogo statt (siehe anderer Artikel), wir beide konnten uns das natürlich nicht entgehen lassen und sind bei schönstem Wetter im Stadion gewesen. Eine zweite typische brasilianische Tanzshow schauen wir uns an, sind aber im Endeffekt enttäuscht, in Foz do Iguacu war diese definitiv besser gemacht und witziger. Nicht vergessen sollte man die Einladung vom berühmten Juwelier H. Stern seine Diamantenwerkstätten anzuschauen. Sehr interessant, man weiß aber, worauf das hinausläuft, "Wollen Sie vielleicht mal diese Diamantuhr probieren zu tragen oder die Ohringe für die Frau anschauen?". Der Abschluß bildete natürlich ein Tag am Strand an der Copacabana, bei besten Wetter mitten am Stadtstrand von Rio relaxen und genüßlich eine Kokosnuss trinken. Viel zu schnell ging die Zeit rum, für mich trotz der erneuten Besuche von Foz und Rio, eine echt schöne Zeit und ich bin mir sicher meinem Vater hat die Reise definitiv auch super gefallen. Geschmack am Churrasco und an den Caipirinhas hat er jedenfalls gefunden... |