 | Vor zwei Wochen machte der SVW auf dem Weg ins Viertelfinale einen wichtigen Schritt. Im Hinspiel gegen den italienischen Tabellenführer Juventus Turin konnte Werder 3-2 gewinnen. Optimale Voraussetzung für das Rückspiel, natürlich war ich live dabei. |
Morgens in aller Frühe um 7.30 Uhr starten Dennis und ich aus München, kurz drauf dann ein Sprinter aus Frankfurt mit zehn weiteren Werderfans, u.a. dabei die üblichen Verdächtigen Jörn, Konni, Till P., Captain, Tore, etc.. Schon mittags konnten Dennis und ich die Frühlingssonne in Turin bei einem Espresso geniessen, während die anderen zehn noch bangend die Grenze zur Schweiz und Italien passieren mussten (zu zehnt im Neunsitzer?). Die Bremer Fans hatten schon in bekannter Manier die wichtigsten Plätze in der Stadt eingenommen und genossen bei kühlem mitgebrachten Becks die Sonne. Wir nutzten die Zeit zu einem kleinen Sightseeing durch die Stadt und besichtigten das Wahrzeichen von Turin, die zwischen 1863?1880 errichtete Mole Antonelliana. Dieser Turm ist übrigens auch auf dem italienischen Zweicentstück abgebildet. Eine spektakuläre Aufzugskonstruktion zieht den gläsernen Lift frei schwebend an Führungskabeln durch den Hauptraum unter der Kuppel hindurch zu der Aussichtsplattform. Oben auf dem Turm hat man dann eine herrliche Aussicht auf Turin. Die Stadt wird im Westen und Norden durch die Alpen und im Süden durch die Hügel des Monferrato begrenzt. Aber zurück zum Wesentlichen, zum Viertelfinalrückspiel. Bevor wir das Stadion betreten, treffen wir erstmal die Busreisenden und Till aus London, der mittlerweile eintrudelte und wir machen gemeinsam die am Stadion liegende Pizzeria zu unserer Basis. Einige nette Song-Battles (?Forza Werder?) mit den Juvefans, die Stimmung ist spitze. Auch in der Werderfankurve. Das Spiel beginnt, Juve hatte es nicht geschafft genügend Karten zu verkaufen und verschenkte tausende Karten an die Olympiahelfer. Sehr zweikampfintensiver Beginn im Stadion Delle Alpi, wo Werder mit großer Aggressivität und mit mutigem offensiven Spiel Juve überraschte. Die "Alte Dame" kam bis auf eine gefährliche Szene schon in der dritten Minute, als Owomoyela vor Trezeguet klären konnte, kaum ins Spiel. Anders wir Hanseaten: Micoud war im Mittelfeld zunächst allgegenwärtig, konnte weder von Emerson noch seinem alten Mannschaftskameraden Vieira kontrolliert werden. Es war kein Zufall, dass der Franzose nach einer tollen Kombination und abschließendem Pass von Schulz allein vor Buffon die Nerven behielt und aus 13 Metern zur Führung der Hanseaten einschoss (13.). Turin war geschockt, fand ob Bremer Laufstärke und Einsatzfreude bis Mitte der ersten Halbzeit nicht ins Spiel. Immer wieder hatte das aufmerksame Mittelfeld unserer Schaaf-Elf ein Bein dazwischen und unterband schon in Ansätzen Juves Spielfluss. Kam doch einmal ein Ball an oder in den Strafraum, waren Naldo & Co. präsent und klärten kompromisslos. Schon Minuten vor dem Anpfiff zur zweiten Hälfte waren die Juve-Asse wieder auf dem Rasen, konnten den Wiederanpfiff kaum erwarten. Und die Italiener legten dann sogleich los und machten mächtig Dampf, dem die Bremer Hintermannschaft aber lange gewachsen war. Erst in der 65. Minute schaffte die ?Vecchia Signora? durch David Trezeguet den Ausgleich. Doch nach dem Ausgleich des Tabellenführers der italienischen Serie A häuften sich in den folgenden zehn Minuten die Einschussmöglichkeiten für Juve. Bis wenige Minuten vor Schluss bot unser Torhüter Wiese eine fast fehlerfreie Leistung und vereitelte mindestens ein halbes Dutzend Großchancen der Italiener, ehe er zum tragischen Helden aufstieg. Der ansonsten famose Wiese, wir trugen sogar Masken mit seinem Konterfei drauf, packte nach einer Flanke sicher zu und rollte sich ab. Dabei ließ er das Leder aus den Armen gleiten, Emerson reagierte blitzschnell und schob den Ball aus elf Metern ins verlassene Tor (88.). Stille. Keiner von uns konnte die Situation verstehen. Die ganze Spielzeit gut gespielt, Juve mehrere Male ins Abseits laufen lassen und dann das? Unser Wiese, die tragische Figur des Abends? Alles Bangen und Daumendrücken vorher hatte nichts genützt, wir waren draussen? Dementsprechend ernüchtern waren wir, dankenswerterweise durften wir noch 45 Minuten nach dem Schlusspfiff im Stadion bleiben bis wir endlich den Ort der Trauer verlassen konnten? Die Rückfahrt durch die Nacht zurück nach Deutschland war dementsprechend traurig und trist. Am nächsten Morgen um 7 Uhr dann wieder auf der Arbeit und die Kondolenzen ertragen müssen? Egal, wir waren dabei? Forza Werder |