 | Da haben wir uns ja was in den Kopf gesetzt. Es geht zum Wandern ins Allgäu. Vor einem Jahr hat alles angefangen, ich kam gerade nach meinem Münchenaufenthalt wieder nach Konstanz, war mehr als demotivert, wollte ich doch so gern in der bayrischen Landeshauptstadt bleiben. Mein altes Volleyballteam machte mir dann aber Konstanz wieder schmackhaft, vor allem dank der vielen witzigen Abende nach dem Volleyball in der Heimat oder auf dem Glühweinmarkt. |
Wir liessen es kulinarisch gutgehen, ob Raclette-Essen oder Flammkuchenessen bei Christiane, Burgeressen bei Silke und Steve, Kässpätzleessen beim Elmar, Pizzaessen bei Raphaela, Geburtstagsparty bei Silke zuhause oder bei mir. Irgendwas haben wir neben dem Volleyball immer auf die Reihe gestellt. Schließlich kamen wir beim ein oder anderen Bier (ich muß sagen, die trinken alle genausogern Becks wie ich) auf die Idee ein gemeinsames Wochenende zu verbringen. Sozusagen die Abschlußfahrt, da Raphaela wegen Beginn ihres neuen Studiums in Aachen und Steve und ich aufgrund der Diplomarbeiten das Team leider verlassen mußten. Während wir so überlegten, was wir anstellen könnten, fiel dann irgendwann mal das Schlagwort "Wandern im Allgäu". Für mich als Fischkopf natürlich eine tolle Herausforderung. Die Begeisterung war bei allen bis auf Christiane stark vorhanden, aber wir konnten sie dann doch vom Projekt überzeugen. Am 10. September machen wir uns dann aus unterschiedlichen Richtungen auf den Weg zum "Local" Raphaela, die in der Nähe von Obersdorf wohnt. Während Jolly, Christiane und ich aus Konstanz starten, fahren Silke, Steve und Jimmy aus Untersulmatingen los. War ja klar, die Schwaben konnten es kaum erwarten dazu sein und sitzen schon beim ersten Hefeweizen als wir eintreffen. Die gute Raphaela hat fein für alle gekocht und den Tisch hergerichtet, herrliche Spaghetti Bolognese standen auf dem Programm. Wie das dann so üblich in unserer Runde ist, bleibt es nicht bei einem Bier, aber gott sei dank wird es nicht allzuspät, wir wollen ja morgen früh aufbrechen. In aller Morgensfrühe weckt uns Jimmy dann mit lauter Musik und holt uns unsanft aus den Federn, er hatte bereits Brötchen organisiert und ein zünftiges Frühstück mit Raphaela auf die Beine gestellt. Gut gestärkt gehts ins Kleinwalsertal, von dort soll unsere Tour losgehen. Eigentlich sind alle perfekt ausgerüstet, nur Steve und ich fallen mit unseren Turnschuhen aus dem Programm. Über Stock und Stein wandern wir den Berg hinauf, schon bald stellt sich raus, daß Steve, Jimmy und Raphaela erfahrene Bergspezialisten sind, die ein anderes Tempo gewohnt sind als wir übrigen vier. Aber dank einiger Pausen hält sich das Tempo dann in Grenzen. Verleugnend darf man allerdings nicht, wie anstrengend das Wandern eigentlich ist. Man kommt schon ganz gut aus der Puste. Zwischenzeitlich überlegen wir kurz, ob wir umkehren sollen, da wir sehen, daß ein Riesengewitter aufzieht und wir keinerlei Regenklamotten dabei haben. Wir haben aber Glück und das Gewitter zieht vorbei. Nun steht nichts mehr im Wege, um den finalen Weg zum Gipfel einzuschlagen. Wir kommen vorbei an kleinen Hütten, den berühmten Allgäukühen und einigen absteigenden Wanderern, die sich bei mir und Steve einen Kommentar über die Schuhe nicht verkneifen können. Christiane, die ein wenig Höhenangst hat, greifen wir dann unter die Arme und erlösen sie von ihrem Rucksack. Steve, Jimmy und Raphaela sprinten voraus, um die Betten auf der Hütte zu reservieren, da wir merken, daß viele Leute an diesem letzten Sommerwochenende im September den Aufstieg wagen. Gemütlich machen wir vier uns daran, die letzten Höhenmeter zu meistern. Endlich kommt die Hütte dann in Sicht und völlig ausgepumpt erreichen wir nach 5,5 Stunden unser Ziel. Dort erwarten uns bereits die anderen, leider mit der Nachricht, daß wir Pech haben, alle Betten sind belegt. Steve hatte schon probiert das Beste rauszuholen als er beim Hüttenvater "super Betten zum Studentenpreis" haben wollte. Die Anwort darauf war nur: "Da wo Ihr schlaft, sind alle Menschen gleich!" Wenn man schon vor vier auf der Hütte ist, kann man sich wenigstens einen guten Tisch organisieren. Da es schon rammelvoll ist, entscheiden wir uns den Tisch nicht mehr aus der Hand zu geben. Mindestens zwei von uns sitzen immer daran und verteidigen diesen. Es lohnt sich, schließlich haben wir je später es wird, immer noch beste Sitzplätze und können ein herrliches Abendessen geniessen. Bei mehreren Bieren haben wir wahnsinnig Spaß beim Kartenspielen. Ein richtig netter Hüttenabend. Um neun Uhr ist dann zapfenstreich. Es gibt kein Bier mehr und wir müssen die Lager aufsuchen, der Hüttenvater war so nett uns in einem 20 Bett-Lager auf dem Boden noch sechs Isomatten zu geben, wo wir uns zu siebt breitmachen können. Sicherlich ein wenig eng, ungewohnt und hart, vor allem mit sovielen Leuten. Aber für eine Nacht ist das schon machbar. Um Punkt sieben Uhr werden wir geweckt, der Stromgenerator, der sich anscheinend direkt unter uns befindet, springt an. Sieben Uhr morgens in den Bergen, ein Traum. Die Sonne geht gerade auf und wir erleben wir die Berggipfel in ein goldenes Gelb getaucht werden. Draußen ist es schon sehr frisch, aber mit einem dicken Pulli bewaffnet, kann man sogar das Bergsteigermüsli geniessen, ohne zu frieren. Allein der Blick ist atemberaubend. Wir befinden uns hier direkt auf der Grenze von Österreich zu Deutschland. Dann geht es wieder an den Abstieg und wir kommen erstaunlich schnell voran, in knapp der Hälfte der Zeit, die wir für den Aufstieg gebraucht haben, sind wir wieder unten. Schon ein wenig erschöpft, gönnen wir uns ein Erfolgsbier und essen zusammen noch Pizza. Bei Kaffee und Kuchen relaxen wir dann noch bei Raphaela im Garten und geniessen die letzten Sonnenstrahlen des Sommers, bevor wir alle unsere Heimfahrt antreten. Von dem wahnsinnigen Muskelkater, den fast alle von uns in den nächsten Tagen haben werden, möchte ich hier nicht berichten... |